Diese Grundlagenforschung klingt exotisch, aber ihre Relevanz liegt auf der Hand: Tissue Engineering heißt das Fachgebiet, Kunstfleisch ist das Ziel. Oder wie soll man es nennen, wenn Biologen, Mediziner und Chemiker adulte Stammzellen von Schweinen und Rindern isolieren, um daraus im Labor essbare Fasern heranwachsen zu lassen, die nie Teil eines Tiers waren? Retorten-, In-vitro-, Analogfleisch?

Die Suche nach einem künstlichen Fleischersatz wird von vielen Gründen angetrieben – es gibt eine zunehmende Zahl hungernder Menschen, drohende Lebensmittelengpässe und nicht zuletzt den Zusammenhang von Fleischkonsum und globaler Erwärmung. Daher unterstützt die niederländische Regierung diese Forschung mit zwei Millionen Euro. Die Fleischbranche steuert noch einmal dieselbe Summe bei. Vorerst klärt man Grundsätzliches: Welche Zellen eignen sich? Wie müssen sie ernährt und stimuliert werden, damit nicht nur ein schlaffes Häufchen wuchert, sondern straffes Gewebe wächst?

Wahrscheinlich werde dabei zunächst eine Zutat für Fleischprodukte wie Würstchen oder Hamburger herauskommen, schätzt Mark Post, Physiologe an der Universität Maastricht. Ein Erfolg ist noch ungewiss, aber immerhin melden auch Forschungsgruppen aus den USA Fortschritte.

Einige Tierschützer hoffen auf eine Alternative zur unwürdigen Massentierhaltung. Deshalb hat die Tierschutzorganisation Peta eine Million US-Dollar Preisgeld für das erste In-vitro-Fleisch ausgelobt, das es in die Geschäfte schafft.