Von Nicolas Sarkozy hatte man schon seit Tagen erwartet, dass er sich zum Schweizer Minarettverbot äußern würde. Schließlich übt der Islam mancherorts im mehrheitlich ungläubigen Frankreich die kulturelle Hegemonie aus. Dies ist der Hintergrund erbitterter Konflikte, etwa des nicht enden wollenden Schleierstreits. Die Tageszeitung Le Monde druckte nun ein Wort des Präsidenten. Es war fällig: Seine eigene Partei ist geteilter Meinung über das Minarettverbot; die Befürworter fanden sich gar an der Seite des rechtsextremen Front National wieder, der sich anschickt, bei den kommenden Regionalwahlen Anhänger von der Regierungspartei zurückzuerobern.

Der Artikel erinnert daran, dass auch Frankreich einmal so gestimmt hat, dass alle Welt sauer war: 2005 gegen die EU-Verfassung. Sarkozys Ghostwriter Henri Guaino weiß das noch sehr gut, er votierte damals selbst mit Nein. Danach aber, so geht es in Le Monde weiter, hätten sich Gegner und Befürworter zusammengesetzt – und sich »an die Spitze des Kampfes für ein anderes Europa« gesetzt. Jetzt sei wieder ein Brückenschlag fällig. Sarkozy attackiert »gewisse mediale und politische Milieus«, die »abgründiges Misstrauen« gegen das Volk hegten; wer den Populismus nähren wolle, brauche nur »taub zu sein für die Klagen des Volkes, gleichgültig gegen seine Probleme, seine Gefühle, sein Streben und Trachten«. Hier bleiben die Vokabeln wattig. Alles andeuten, nichts aussprechen.

Je weiter die Globalisierung fortschreite, desto mehr »Zugehörigkeit« brauche der Mensch, und die gebe es nur in zwei Geschmacksrichtungen: Gruppe (schlecht) oder Nation (gut). Wie aber entsteht die nationale Einheit? Nun, wer Fremde empfange, müsse bereit sein, »sein Erbe, seine Geschichte, seine Zivilisation, seine Lebensweise zu teilen«, und wer ankomme, müsse sich »in die Gesellschaft einschreiben«, damit eine »gelungene Assimilation« erreicht werde. Gestern hieß das wenigstens noch »Integration«.

An dieser Stelle dürften jedenfalls die Leser des halblinken Blattes Le Monde ein Wort zum Rassismus in Frankreich erwartet haben, sie erhielten indes nur ein »Ich werde jede Form der Diskriminierung bekämpfen«, gefolgt von einem »Aber«: In Frankreich, »wo die christliche Zivilisation eine derart tiefe Spur hinterlassen hat«, sei alles, was als »Kampfansage gegen dieses Erbe« erscheine, nicht im Sinne eines »französischen Islams«.

Im Klartext: Baut sie nicht zu hoch, eure merkwürdigen Minarette.