DIE ZEIT: Frau Schavan, hat die CDU die Bildungspolitik aufgegeben?

Annette Schavan: Wie kommen Sie denn darauf?

ZEIT:Können Sie uns profilierte Bildungspolitiker aus Ihrer Partei nennen?

Schavan: Das hat mit Paul Mikat und Wilhelm Hahn begonnen, setzt sich fort mit Ministern wie Hans Maier, Bernhard Vogel oder Hans Zehetmair…

ZEIT:Lauter Ehemalige!

Schavan: Heute heißen sie Wöller, Olbertz, Rau, Heister-Neumann, Sommer…

ZEIT:Ob im Saarland, Hamburg, Thüringen oder Schleswig-Holstein – überall dort, wo die CDU neue Koalitionen geschlossen hat, hat sie das Amt des Bildungsministers preisgegeben.

Schavan: Im Bund ist das anders, wie Sie wissen. In den Ländern zeigt das, wie begehrt das Amt des Bildungsministers mittlerweile ist.

ZEIT:Umso wichtiger wäre es doch, den Posten für sich zu reklamieren.

Schavan: Ich hätte es mir anders gewünscht. Nun ist es so, wie es ist. Aber darin liegt auch die Chance, über Parteigrenzen hinweg ideologische Gräben zu überwinden.

ZEIT:Unser Eindruck ist: Der CDU fehlt in der Bildungspolitik nicht nur das Personal, sondern auch das Profil. In einigen Bundesländern schafft sie die Hauptschule ab, in anderen kämpft sie für ihren Erhalt. Mal will sie die Grundschulzeit verlängern, mal nicht. Wofür steht heute christdemokratische Bildungspolitik?

Schavan: Unsere Politik setzt auf ganzheitliche Bildung und Leistungsbereitschaft. Wir verstehen Bildungspolitik nicht als Sozialpolitik, sondern wollen den Einzelnen befähigen, selbstbewusst und selbstbestimmt sein Leben zu führen und seine Talente zu entwickeln.