Ein Windbeutel sei er, schrieb der Vierzehnjährige in einem Selbstporträt, ein "Klugscheißer unter Dummköpfen", der Klatsch liebt, auf Streiche aus ist und der Welt ein "affenartiges Gesicht" zeigt. Später wird er sich unverblümt als hässlich bezeichnen und seinen Erfolg bei Frauen seiner Schamlosigkeit zuschreiben. In der Schule lernte er fürs Leben, sich mit Faxen beliebt und mit provokantem Verhalten Eindruck zu machen. Noch als Erwachsener sollte er Gesprächspartner aufs Sofa werfen, sich rittlings auf sie setzen und auf sie einreden. Oder sie mit Kirschkernen bespucken.

Seine übermütigen Geistesblitze verhalfen ihm zwar nicht zu einem besseren Abschlusszeugnis, wohl aber zum Ruhm eines aufgehenden Sterns. Viel wurde von ihm erwartet. Auf Ämter und Würden legte er keinen Wert, das Amt, das er bekam, hielt er für reine Formsache und gewöhnte sich einen liederlichen Lebensstil an: Er spielte, trank und hurte schon mit achtzehn Jahren wie ein alter Lebemann. Der genusssüchtige Rebell stimmte laut und öffentlich in Rufe nach Freiheit ein, über die andere, mit politischer Freiheit im Sinn, nur im Geheimen diskutierten. Darunter seine engsten Freunde, die ihn jedoch für zu windig hielten, um ihn in ihre Pläne einzuweihen. Er erregte allerhöchsten Zorn, wurde in den südlichsten Zipfel des Landes verbannt und unter Aufsicht gestellt, damit aus ihm ein tüchtiger Staatsdiener werde.

Mit der Schicksalsergebenheit des Glücksspielers machte er zunächst das Beste daraus und setzte sich mit seiner neuen Umgebung auseinander. Als er eine Affäre mit der Frau seines Vorgesetzten anfing, schickte der ihn zur Inspektion einer Heuschreckenplage. Wütend reimte er im Bericht: "Sie flogen und flogen…sie saßen und fraßen…dann sind sie weitergeflogen." Daraufhin flog auch er: Aus dem Staatsdienst entlassen, wurde er unter Hausarrest gestellt, in der Verantwortung des Vaters, mit dem er nie ausgekommen war. Liebevoll waren beide Eltern nicht gewesen.

In seiner Abgeschiedenheit bekam er Wind von einem Staatsstreich, sofort wollte er den Aufständischen zur Seite eilen. Ein Hase, der seinen Weg kreuzte, veranlasste den zutiefst Abergläubischen zur Umkehr – und rettete ihm wohl das Leben. Der Tod des Staatsoberhaupts brachte ihm die Begnadigung, der Nachfolger gab sich liberaler. Trotz ständiger Geldnot nahm er seinen ungezügelten Lebensstil wieder auf, stets von Geheimpolizisten bespitzelt. Immer im Herbst zog er sich aufs Land zurück, um seine Erfahrungen zu verarbeiten. In lockerem, ironischem Plauderton porträtierte er die Lebensbedingungen seines Landes in all ihren Widersprüchen.

Mit 30 Jahren sollte der Ehestand eine Wende in sein Lotterleben bringen: Er heiratete "die 113. Liebe" auf seinem Don-Juan-Register, eine madonnenhafte Schönheit, die bald Aufsehen in der Gesellschaft erregte und ihm vier Kinder gebar. Als er anonym ein "Diplom des Ordens der Gehörnten" erhielt, raste er vor Wut und provozierte ein Duell, das ihn das Leben kostete. Wer wars?

Lösung aus Nr. 50:
Franz Beckenbauer, geboren am 11. September 1945 in München-Giesing, ist Fußball-Legende und -Funktionär. Der zweimalige Fußballweltmeister (1974 als Spieler, 1990 als Trainer) holte 2006 die Weltmeisterschaft nach Deutschland. Nebenberuflich betätigt er sich als Werbe-Ikone und TV-Kommentator. Die Zitate stammen mehrheitlich aus einem "Spiegel"-Interview, das er anlässlich seines 60. Geburtstages gab. Beckenbauer ist (seit 2006) zum dritten Mal verheiratet und insgesamt sechsfacher Vater