Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO), einst vom Radiosender Rias gegründet, zählt zu den erstklassigen Orchestern in Deutschland. Namhafte Chefdirigenten haben es geprägt, von Ferenc Fricsay über Riccardo Chailly bis Kent Nagano. Es gehört wie alle Rundfunkorchester zum Kernbestand der kulturellen Vielfalt, um die Deutschland in aller Welt beneidet wird. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB), einst vom DDR-Rundfunk gegründet, hat sich in den letzten Jahren unter seinem Chefdirigenten Marek Janowski ebenfalls zu einem ausgezeichneten Orchester entwickelt. Und weil beide Orchester so toll sind, sollen sie jetzt fusioniert werden, auf dass ein noch viel tolleres Orchester entstehe! So jedenfalls argumentiert der Intendant des Deutschlandradios, Willi Steul, der sich zum Sprecher der Trägergesellschaft ROC gemacht hat, die die beiden Ensembles finanziert. Steul träumt wolkig von einem neuen »Spitzenorchester« in der »Champions League« und versucht dabei doch nur zu bemänteln, dass er schlicht ein Ensemble abschaffen will. Jeder weiß, dass Orchesterzusammenlegungen nie einen Qualitätsschub bewirken: Sie sind Motivationskiller, erzwungene Vereinigungen auf einem kunstfernen gemeinsamen Nenner, die besten Musiker suchen das Weite. Und sie zerstören, was diese ebenso teuren wie faszinierend unverwechselbaren Kunstinstitutionen in ihrem Innersten zusammenhält – eine Identität, die auf Traditionsbewusstsein, Repertoireschwerpunkten und klanglichen Besonderheiten gründet.

Für die Schließung eines Orchesters vom Rang des DSO oder des RSB gibt es nur eine einzige legitime Begründung – eine verzweifelte finanzielle Notlage ohne Alternativen. Aber davon kann bei der Holding ROC keine Rede sein. Dem Bund, der mit 40 Prozent der größte Geldgeber ist, glaubt kein Mensch, dass er nicht in der Lage wäre, ein paar Orchesterstellen in der Hauptstadt zu erhalten, wenn er zugleich der Finanzwirtschaft mit Milliarden unter die Arme greift. Das Deutschlandradio, mit 35 Prozent an der Finanzierung der Orchester beteiligt, steht ebenfalls nicht unmittelbar vor dem Bankrott. Dort kommt es darauf an, wo die Prioritäten gesetzt werden und ob man sich die Orchester leisten will. Was ist das für eine Rundfunkanstalt, die stolz einen nationalen Kultursender betreibt, sich aber gleichzeitig mit banausischen Kulturabwicklungsszenarien blamiert?