Der Molotowcocktail ist eine einfach zu bauende Brandbombe: Eine Flasche wird mit einer brennbaren Flüssigkeit, meist eine Mischung aus Öl und Benzin, gefüllt und mit einem Lappen verschlossen. Der Lappen wird angezündet und die Flasche in Richtung des Feindes geschleudert. Sobald sie zerplatzt, verbrennt die Flüssigkeit in einem Feuerball.

Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, unter Stalin Ministerpräsident und Außenminister der Sowjetunion, hat zwar mit der Namensgebung zu tun, aber erfunden hat er den simplen Brandsatz nicht. Der ist ja auch keine Waffe großer Armeen, sondern eher eine von Aufständischen oder Guerilleros.

Der Name geht zurück auf die sowjetische Besetzung Finnlands 1939 und den folgenden "Winterkrieg". Die sowjetische Seite bombardierte damals die aufständischen Finnen, stellte das jedoch zynischerweise gegenüber der Weltöffentlichkeit als humanitäre Aktion dar – die Bomber würfen Nahrungsmittel für die hungerleidende Bevölkerung ab. Die Finnen nannten die Bomben daraufhin "Molotows Brotkörbe" – und erfanden das zu dieser Mahlzeit passende Getränk.

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Tatsächlich war Alkohol die Grundzutat dieser Molotowcocktails – die Brandflaschen wurden vom staatlichen Alkoholproduzenten Oy Alkoholiliike Ab hergestellt und praktischerweise gleich mit einem Sturmstreichholz versehen. Insgesamt 450.000 staatlich produzierte Molotowcocktails wurden so an die Front geschickt, wo sie vor allem gegen sowjetische Panzer eingesetzt wurden.

Von den Finnen stammt der Name – eingesetzt wurde die Brandwaffe schon vorher, etwa während der russischen Revolutionswirren nach dem Ersten Weltkrieg und im Spanischen Bürgerkrieg. In Deutschland werden Molotowcocktails übrigens explizit im Waffengesetz als "verbotene Waffen" aufgeführt.

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