Die Drogenfahnderin Leah liegt tot in der Badewanne, der brave Spürhund findet Tüten voller Koks. Kommissar Franz hasst die Überläufer, er hasst es, wenn eine von den Guten die Seiten wechselt. Der gemordeten Kollegin traut er aber diese Gemeinheit nicht zu. Seinem Vorgesetzten Stolze sind Franzens Zweifel wurscht, er wird zur Wildsau, wenn seine Männer nicht parieren.

Was macht Ivo Batić? Er hat den Sturz in die Schlucht überlebt und irrt im blutbefleckten Hemd durch die bayerische Wildnis. Man kann den armen Irren festsetzen und ins Krankenhaus verbringen. Alles ist ihm fremd geworden, Franz will ihm den Kopf abreißen, weil er an einen üblen Scherz glaubt. Amnesie, sagt der Arzt, das passiert Menschen, die tagelang in der Gletscherspalte hängen. Es plagt Ivo ein Gespenst, das allein er zu sehen scheint, er fürchtet um sein Leben.

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Der granitharte Bulle Stolze lässt seine Wohnung stürmen und erklärt inmitten der Trümmer Franz den Fall: Ivo geht mit Leah essen. Kurz darauf ist Leah tot. Dann taucht Ivo auf und sagt: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Sein Lakai Michalik ist der Chef der Rauschgiftfahndung, er zeigt die Kokstüten vor, die Batić unterm Teppich versteckt haben soll. Ivo ist kein Dealer und kein Mörder, schreit Franz; jawoll, brüllen wir, dem Mann glüht doch nur die Rübe vom Fall in den Abgrund, er wird sich schon bald davon erholen.

Stolze und Lakai grunzen böse ob unserer Bedenken, sie brechen wie zwei Wildsäue durchs Unterholz. Auch Franz prescht los und erfährt, dass Leah ein Verhältnis mit ihrem Ausbilder Ivo hatte. Hat sich der Kommissar in seinem besten Freund geirrt? Ging er die letzten zwanzig Jahre mit einem Kriminellen auf Verbrecherjagd? Es tarnt sich jeder, wie er kann, und täuscht, wann immer er mag.

Trieb der gebürtige Kroate die ganze Zeit ein übles Spiel, und muss Franz ihn doch den Bösen zuschlagen? Nein, muss er nicht – er zweifelt keinen Augenblick an der Unschuld seines Freundes. Die Polizei wirbt mit dem Satz: Wer Mütze trägt, braucht Köpfchen. Wieso macht sie Jagd auf den falschen Mann? Batić kann trotz der Delle im Kopf immer klarer denken; er schlüpft in eine knallblaue Jacke und eine arschenge Hose und läuft dem Gespenst und den Häschern davon, bis man ihn in einer Waldlichtung stellt.

Wir können es nicht fassen, die Kommissare spielen wie junge Götter, und es ist so spannend, dass wir zwischendurch das Blinzeln vergessen. In ihrer letzten Nachtschicht war Leah allein bei der Observation, danach saß sie schweigend auf der Gartenterrasse. Was sah sie, was sie nicht sehen durfte? Nicht nur in Amerika , dem Kernland des Drogenmarktes, gibt es korrupte Bullen; sie wollen das Gute nicht vom Bösen scheiden, sie halten es nicht mit dem Kinderglauben. Der treue Franz und der wiederauferstandene Ivo sind aber klug, ohne dass sie eine Mütze tragen müssten, und sie gehören eindeutig zu den Guten. Wer sie hetzt, wird selber müde, sie schleichen sich lautlos an die Fallensteller. Grandios! Jubel!!!

ARD, Sonntag, 13. Dezember, 20.15 Uhr