"Ausschließlich ernsthaft Vermögende", sagt Robert Ferfecki lächelnd – ein Beiwort, das sonst eher im Zusammenhang mit Krankheiten fällt. Leider, und sein Lächeln wird noch milder, darf er sich nicht deutlicher ausdrücken. Nur so viel: Die Namen seiner deutschen Kunden klingen durchweg vertraut in unseren Ohren. Seine andern Auftraggeber kommen großteils aus Osteuropa und Drittweltländern – Gegenden, in denen Menschen mit viel Geld nicht nur den Steuerberater, sondern auch Kriminelle und Terroristen fürchten müssen.

Es ist bereits der dritte Kongress, den die in Jersey gemeldete Firma Henley & Partners für Leute organisiert, die ihre alte Staatsbürgerschaft loswerden wollen und stattdessen einen sichereren Hafen für sich und ihr Geld suchen. 2007 fand das Treffen in Dubai statt, 2008 in Hongkong. Ende November 2009 sitzen die ernsthaft Vermögenden nun im Ballroom des Zürcher Hotels The Dolder Grand und lassen sich mit verschränkten Armen die Reize neuer Domizile vorführen. Weckt das Land nicht auf Anhieb ihr Interesse, sortieren sie Visitenkarten oder tippen am Handy herum.

Die Russen erkennt man an ihren Lederjacken, die Südamerikaner an den heftig bedruckten Hemden. Die Kunden aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten haben ihre Anwälte und Banker geschickt. Der Schwarm der dunkel gekleideten Berater bewegt sich mit jener Geschmeidigkeit, die der tägliche Umgang mit viel Geld bewirkt.

Wie bei einer Schönheitskonkurrenz tritt Land um Land auf die Bühne und buhlt – statt mit Brustumfang-Zentimetern mit Steuertabellen – um die Gunst der Milliarden im Saal. Belgien verlangt keine Vermögensteuern und bürgert unkompliziert alle ein, die sieben Jahre lang im Land gewohnt haben. Österreich erledigt die Einbürgerungsformalitäten in nur 12 bis 18 Monaten, fordert aber eine Spende von zehn Millionen US-Dollar für eine öffentliche Institution. Deutsch muss der neue Österreicher ebenso wenig können wie die Nationalhymne singen oder Heimatgefühle heucheln. Auf dem Kongress heißt die Staatsbürgerschaft "das Produkt", und ihr Preis ist Verhandlungssache.

Die karibische Inselgruppe St. Kitts und Nevis hat eigens ihren Premierminister nach Zürich geschickt. Mit einer Viertelstunde Verspätung schlendert Denzil Douglas aufs Podium – ein lebendes Beispiel dafür, wie entspannt seine Heimat macht. Und schon wehen auf der Leinwand die Palmen vor weißen Holzbungalows, leuchtet das azurblaue Meer, lächeln schwarze Gesichter. Höhepunkt der Show: Mannshoch erscheint der Pass auf der Projektionswand. Goldlettern glänzen auf braunem Grund.

Kein legaler Pass ist augenblicklich leichter und rascher zu bekommen. Bereits in drei Monaten und mit einer Spende von 250.000 Dollar an den wohltätigen Zuckerindustrie-Fonds ist man Bürger von St. Kitts. Eine persönliche Besichtigung der neuen Heimat ist nicht erforderlich. Besonders Geschäftsleute aus sogenannten Schurkenstaaten stürzen sich auf den Service. Endlich können sie ohne langwierige Visabeschaffung und endlose Zollkontrollen ihren Geschäften in aller Welt nachgehen.

Ringsum locken Flugplätze, Spitzenmedizin und Elite-Internate

Die Schweiz hat keinen rasch zu erwerbenden Pass im Angebot. Doch die Ausländer finden hier auch ohne Pass, was sie suchen: Diskretion, Ruhe und Sicherheit. Solche Werte schätzen besonders die Deutschen, die schlimme Turbulenzen hinter sich haben. Wie Kriegsflüchtlinge schildern sie die erlittenen Gräuel. Ein Paar aus dem Rheinland wurde in sechs Jahren fünf Mal von Steuerkommissaren überfallen, ein Unternehmer des Jahres von den Steuerbehörden durch den eigenen Betrieb gejagt, "als wäre ich ein Krimineller".