Aus der Weimarer Verfassung hat es die »seelische Erhebung«, der der Sonntag eigentlich dienen solle, direkt ins Grundgesetz geschafft. Daran erinnerten nun die Bundesverfassungsrichter, als sie den Berlinern untersagten, sich auch künftig an allen vier Adventssonntagen bewusstlos zu shoppen. Denn das, so die klugen Richter, senkt den Seelenspiegel, der sich im Lauf der Woche langsam abgesenkt hat, endgültig unter null. Schon Hermann Lübbe hat darauf hingewiesen, dass der Schutz des Sonntages mit diesen Vokabeln dazu führt, dass das Staatsrecht plötzlich »selbst religiös« wird. Man könnte es auch so sagen: Der moderne Staat will nicht nur die Steuern erheben, sondern auch die Seelen. Allerdings bleibt die Frage, ob die Seelen in den Körpern, die sonntags weder arbeiten noch shoppen dürfen, sich wirklich noch erheben oder doch lieber hinlegen. Wie schon das berühmte Böckenförde-Diktum sagt: »Der säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.«

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