Der Präsident bittet zum Interview. Er werde auf Englisch antworten, erklärt sein Sprecher schon am Telefon, dafür könnten die Fragen auf Deutsch gestellt werden. "Der Präsident versteht jedes Wort. Er fühlt sich nur wohler, wenn er Englisch sprechen kann."

Es ist eine Episode, die eigentlich nicht weiter bemerkenswert ist in der Welt der Spitzenforschung von MIT, Harvard oder der ETH Zürich, in der das Führungspersonal international rekrutiert wird. Eigentlich. Denn der erste Präsident des Institute of Science and Technology Austria (IST), der Interviews mit deutschsprachigen Journalisten grundsätzlich nur auf Englisch gibt, heißt Thomas Henzinger und ist geborener Österreicher. Muttersprache: Deutsch.

Im vergangenen Herbst wurde es eröffnet, das Institut, das Österreichs Anschluss an die wissenschaftliche Weltklasse sichern soll – doch vorerst sind es vor allem eigenwillige Gesten, die den Anspruch des IST demonstrieren.

Das IST Austria sei Österreichs Version der deutschen Exzellenzinitiative, verkündet sein erster Präsident stolz, im Grunde jedoch ist es mehr eine Art Antithese, ein radikaler Gegenentwurf: Anders als die Deutschen hat die ehemalige Regierungskoalition aus Konservativen und der rechtsgerichteten FPÖ sich vor fünf Jahren entschieden, nicht das bestehende Uni-System in all seinen vermeintlichen Verkrustungen aufzuwerten, sondern etwas ganz Neues zu schaffen. Eine Spitzen-Uni am Reißbrett sozusagen, die die besten Naturwissenschaftler aus aller Welt anziehen soll.