Das IST ist auf Bewährung, bevor es überhaupt etwas getan hat. Das weiß auch Thomas Henzinger. Das Gebäude, in dem er unter einer Stuckdecke von einer "in einem Wissenschaftlerleben einmaligen Chance" schwärmt, war früher die Anstaltsverwaltung. Es riecht neu hier drin, viel Glas, teure Parkettböden und ein verwaister Empfangstresen warten auf Menschenmengen, die hier einmal ein und aus gehen sollen.

Bislang verläuft die Personalsuche eher schleppend, dabei ist man noch nicht einmal wählerisch, was die Fachgebiete der Forscher angeht: Man hat bisher Computerwissenschaftler und Biologen geworben, es können aber gern auch Experten anderer Fächer sein. Der größte Coup war die Verpflichtung von Henzinger selbst: ein Computerwissenschaftler von Weltrang, der in Stanford geforscht hat, an der Cornell University, in Berkeley und zuletzt an der ETH Lausanne.

Zwischendurch war er noch Direktor eines Max-Planck-Instituts. Eine beeindruckende Karriere für einen 48-Jährigen. "Wir können nicht mehr zahlen als Harvard oder Oxford", sagt Henzinger in seinem schottisch anmutenden Englisch. "Wir können mithalten, das schon. Aber der wirkliche Mehrwert, den wir bieten, ist, dass bei uns noch nicht alles verregelt ist. Wir haben noch keine Traditionen, die es zu beachten gilt. Man könnte sagen, wir begründen die Traditionen für die nächsten 50 Jahre. Da mitzugestalten ist ein Anreiz." Es ist eine lange Rede, der man anhört, dass der IST-Präsident sie oft halten muss in diesen Tagen und wohl oft auch vergeblich, wenn er unterwegs ist auf einer seiner internationalen Rekrutierungsreisen.

Gibt es überhaupt eine Art Geheimrezept für Harvard, Oxford und Co? Einen Masterplan, wie man sich aus dem Nichts an die internationale Spitze katapultieren könnte? Glaubt man Olaf Kübler, dann ist es so.

Kübler war Präsident der ETH Zürich, er sitzt im Universitätsrat des Karlsruhe Institute of Technology (KIT), noch so einer Dreibuchstabeneinrichtung, die im Rahmen der deutschen Exzellenzinitiative aus der Verschmelzung von Universität und Forschungszentrum Karlsruhe entstanden ist.

Zusammen mit Hubert Markl, dem ehemaligen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, und dem Israeli Haim Harari hat er 2006 den "Bericht des Internationalen Komitees" ausgearbeitet. Es ist die Blaupause für die Struktur des Instituts, "seine Verfassung", wie Kübler sagt. Hier könne man endlich einmal die ideale Hochschule bauen, "ohne die Schwächen in Kauf nehmen zu müssen, die man anderswo über all die Jahre festgestellt hat".