Die drei IST-Väter gehören zu den führenden Köpfen der weltweiten Wissenschaftlerszene, und die österreichische Bundesregierung hatte den Mut, ihrer Fantasie tatsächlich freien Lauf zu lassen – mit dem Ergebnis, dass das neue Institut über einen Grad an Unabhängigkeit verfügt, von dem andere europäische Spitzen-Unis nur träumen können. W

elche Forscher das IST berufen will, wie viele und in welchem Zeitraum, welche Konditionen es ihnen anbietet, all das entscheidet die Institutsführung allein. Und im Unterschied zu den deutschen Max-Planck-Instituten besitzt das Institut von Anfang an das begehrte Promotionsrecht. "Es ist Forschungsinstitut und Hochschule zugleich", sagt Kübler.

Bis zu 50 neue Master- und Promotionsstudenten sollen jährlich aufgenommen werden – wie viele genau, auch das können die Professoren je nach ihrem Bedarf frei entscheiden. Fest steht, dass jeder einzelne Student von Anfang an ein Gehalt beziehen wird und keine Gebühren zahlen muss.

Das IST will hoch hinaus. Und tatsächlich wird sich sein Erfolg daran ablesen lassen, wie viele Neubauten eines Tages am Hang stehen werden. Hinter den paar vorhandenen Gebäuden streckt sich das Institutsgelände über viele Hundert Meter in die Höhe hinauf, vorbei an abschüssigen Wiesen und Waldstücken. Ein gewaltiger Stauraum für Exzellenz, wenn sie denn kommt nach Klosterneuburg.

Nichts lenkt hier von der Arbeit ab, so abgeschieden liegt die neue Uni

Krishnendu Chatterjee ist schon da. Der 31 Jahre alte Inder mit dem weichen Händedruck war in Berkeley und Santa Cruz, Henzinger hat ihn nach Klosterneuburg geholt. Er ist einer jener Wissenschaftler, von denen der Präsident sagt, man wolle hier die möglichen Nobelpreisträger von morgen, nicht die von gestern, die ihren Forscherzenit schon überschritten hätten.

Chatterjee zählt zu den Hoffnungsträgern seines Fachs, der Computerwissenschaften. An die Kälte Mitteleuropas muss er sich indes noch gewöhnen, und so lässt er die blaue Regenjacke lieber geschlossen, während er in seinem Büro mit den halb leeren Bücherregalen hockt. Er hat Großes vor in den nächsten Monaten: ein paar exzellente Studenten auswählen, eine Gruppe verheißungsvoller Nachwuchswissenschaftler um sich versammeln und dann das entscheidende Stück weiterkommen mit seinem Projekt.

An "qualitativen Aspekten der Spieltheorie" forsche er, setzt er zu einer Erklärung an – und gibt dann auf, mit einem Lächeln. Lieber lobt er noch ein wenig das "außergewöhnliche Klima" am IST. "Das Leben ist einfach hier", sagt er. "Man kann sich ganz auf seine Arbeit konzentrieren." Man könnte auch sagen: Das Institut liegt so abgeschieden, es gibt nichts Spannendes, was einen ablenken könnte.