Die Lokomotive »Thomas« fährt inzwischen ohne Blei, umweltfreundlich ist sie deswegen noch nicht. Im Jahr 2007 musste der amerikanische Hersteller RC2 Teile der Holzeisenbahn »Thomas und seine Freunde« zurückrufen, weil das in China produzierte Spielzeug zu viel Blei enthielt. Bei der aktuellen Überprüfung durch die Zeitschrift Öko-Test fand sich keines mehr in »Thomas« – dafür wiesen die Tester Weichmacher nach.

In anderen Spielsachen wurden noch bedenklichere Stoffe gefunden: Formaldehyd in der Piratenbettwäsche von Playmobil, der Farbbaustein Anilin in drei Handspielpuppen und in einer Spielfigur ein Flammschutzmittel, das seit 2008 sogar in Elektrogeräten verboten ist. Manche dieser Stoffe können Krebs auslösen, andere das Hormonsystem beeinflussen oder das Immunsystem schädigen. Zwar schnitten unter den 72 getesteten Kinderspielzeugen auch einige zufriedenstellend ab, insgesamt aber lautet der Befund: Mängel sind eher die Regel als die Ausnahme.

Das mag daran liegen, dass zunächst nur der Hersteller selbst seine Spielwaren prüft. Er druckt das CE-Kennzeichen der Europäischen Union (EU) auf das Spielzeug und versichert damit, dass die Richtlinien der EU erfüllt sind. Unabhängige Instanzen prüfen erst, wenn das Produkt schon in den Geschäften liegt. »Finden sich dann eklatante Mängel, kann das einzelne verkaufte Spielzeug kaum erfolgreich zurückgerufen werden. Die Marktüberwachung greift also eigentlich erst dann, wenn es schon zu spät ist«, sagt Johannes Näumann vom Verband der Technischen Überwachungsvereine. Außerdem gibt es in Deutschland nur einen bis zwei Produktprüfer pro Million Einwohner – angesichts der Masse an Produkten müssen sie sich auf Stichproben beschränken. Doch auch die gesetzlichen Vorgaben stehen in der Kritik.

Im Dezember vergangenen Jahres erst hat die EU eine überarbeitete Sicherheitsrichtlinie für Kinderspielzeug erlassen, Verbraucherschützer sehen diese Grenzwerte aber immer noch als zu lasch an. Erst vor wenigen Tagen meldete sich das Bundesinstitut für Risikobewertung erneut zu Wort: Die erlaubte Menge von sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in der EU-Spielzeugrichtlinie sei zu hoch. Durch Hautkontakt beim Spielen könnten die Kinder in einer Stunde so viel Gift aufnehmen, wie es dem Rauch von 40 Zigaretten entspricht. »Die Stoffe haben das Potenzial, das Erbgut zu verändern, was später zu Krebs führen kann. Kinder sind besonders empfindlich, und daher sollte man ihren Kontakt mit PAK so weit wie möglich reduzieren«, sagt Ariane Girndt vom Bundesinstitut für Risikobewertung.

Dass die großzügigen Grenzwerte von vielen Herstellern sogar noch überschritten werden, zeigt ebenfalls die neue Öko-Test- Untersuchung. Alle 13 geprüften Kunststofffiguren enthielten PAK in teilweise überhöhten Konzentrationen. Österreich und Deutschland versuchen schon seit längerem, in der EU strengere Richtlinien durchzusetzen – bisher ohne Erfolg. Dabei ließen sich die PAK relativ einfach vermeiden. »Es sind letztlich Verunreinigungen, die in bestimmten Ölen vorkommen. Wenn der Hersteller andere Öle verwenden würde, fielen die Stoffe gar nicht erst an«, sagt Girndt.

Ein Kinderzimmer kann schnell zur Giftmülldeponie werden: Weichmacher, sogenannte Phthalate, finden sich in Plastikbilderbüchern und Kinderwagen, optische Aufheller und Zinnverbindungen in Kinderfußballtrikots, Halogene in Kinderschminke und Cadmium in Mini-Bohrmaschinen. In der Datenbank Rapex, dem Schnellwarnsystem der EU für Verbraucherschutz, gilt fast jeder vierte Rückruf einem Spielzeug.

Produkte mit dem GS-Siegel tauchen dagegen fast nie in der Rapex-Datenbank auf. Denn das Siegel erhält nur, wer sich prüfen lässt – und dabei den Anforderungen gerecht wird. 50.000 GS-Prüfungen gibt es jährlich in Deutschland, die Hälfte der Produkte fällt durch. Grundlage ist das deutsche Geräte- und Produktsicherheitsgesetz, dessen Vorschriften und Grenzwerte wesentlich schärfer sind als die der EU. Doch das GS-Siegel findet sich nur auf einem kleinen Teil der Spielsachen. Der Kunde sollte daher mit allen Sinnen einkaufen, raten Verbraucherschützer. Was stechend riecht oder beim Reiben Farbe auf den Fingern hinterlässt, sondert unter Umständen schädliche Stoffe ab.