Siegfried Eggebrecht, ein prominenter Feldprediger im Ersten Weltkrieg, sympathisierte bereits in der Weimarer Republik mit den rechten Bewegungen, er war Mitglied im Stahlhelm und schloss sich 1933 wie viele andere protestantische Pfarrer der völkischen Glaubensbewegung der Deutschen Christen an. Auch Hans Heinrich Eggebrecht engagiert sich früh in der NS-Bewegung.

Am Tag, an dem er sein Studium an der Hochschule für Lehrerausbildung in Hirschberg aufnimmt, schließt er sich dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund an. Zudem ist er als Musikreferent der Hitlerjugend tätig und betreibt Jugendarbeit in der HJ-Organisation der Hochschule. Mit dem Beginn des Krieges muss er sein Studium unterbrechen, nach der Grundausbildung wird er im Februar 1940 zur Feldgendarmerieabteilung versetzt. Dies geht aus den Akten der "Deutschen Dienststelle" hervor.

Auch Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft München aus dem Jahr 1964 belegen dies. Darin findet sich das Vernehmungsprotokoll, in dem sich ein Soldat der Feldgendarmerieabteilung 683 an Kameradennamen aus dem 3. Zug der 2. Kompanie erinnert. An zweiter Stelle taucht "Heiner Eggebrecht" auf, "müsste aus der Thüringer Gegend gestammt haben, sein Vater war dort Pfarrer". "Heiner" war der Spitzname Eggebrechts in der Wehrmacht und auch später an der Universität. Mit dieser Aussage war es möglich, Eggebrecht gesichert zu identifizieren.

Die Feldgendarmerie bildete die Ordnungs- und Sicherungstruppe der Wehrmacht und kam in den rückwärtigen Armeegebieten zum Einsatz. Ihre Aufgabe war neben Verkehrsregelung und Sicherung der Nachschubwege der militärische Ordnungsdienst gegenüber der eigenen Truppe – für diese Einheit bedeutete dies primär die Verfolgung von Deserteuren. Hinzu kamen sogenannte Sicherungsaufgaben gegenüber der feindlichen Zivilbevölkerung: Dazu gehörten die Partisanenbekämpfung sowie die Abwehr von Spionage, Sabotage und Zersetzung.

Entsprechend diesen Funktionen erfolgte die Aufstellung der Feldgendarmerieabteilungen. Die Hälfte einer Abteilung wurde jeweils von der zivilen Polizei gestellt. Im vorliegenden Fall wurden die Polizisten in der Berliner Blücher-Polizei-Kaserne rekrutiert. Damit gab es eine personelle Verbindungslinie zum Amt Ordnungspolizei, das 1936 durch Heinrich Himmler als Chef der deutschen Polizei gegründet worden war. Alle Führungspositionen in der Feldgendarmerie mussten mit solchen Polizeiangehörigen besetzt werden. So war der direkte Vorgesetzte Eggebrechts, der Kompanieführer Joachim Siedel, sowohl Berufspolizist wie auch Angehöriger der allgemeinen SS im Rang eines Hauptsturmführers.