Für CO₂-Emittenten wird es interessanter, Maßnahmen zur CO₂-Minderung einzuleiten, wenn die Preise für Emissionsrechte steigen", sagt Kai Ristau, Fondsmanager Emissionshandel und Experte für Nachhaltigkeitsmanagement bei Aquila Capital in Hamburg. Das ist schließlich die Idee hinter dem Emissionshandel, mit dem die Europäische Union das im Kyoto-Protokoll festgelegte Klimaschutzziel erreichen will. Die EU-Staaten haben sich verpflichtet, ihre Emissionen zwischen 2005 und 2012 von rund 2,2 auf 2,08 Milliarden Tonnen jährlich zu reduzieren. Das europäische Emissionsrechtehandelssystem ETS, an dem neben den 27 EUStaaten auch Liechtenstein, Norwegen und Island teilnehmen, soll Unternehmen motivieren, genau dort weniger schädliche Gase zu emittieren, wo es am effizientesten ist. Dazu verknappt die EU zum einen schrittweise das Volumen der Treibhausgasemissionen, andererseits erlaubt es, die Verschmutzungsrechte frei zu handeln.

Theoretisch wäre es also denkbar, dass politisch motivierte Anleger auf die Idee kommen könnten, diese Entwicklung zu beeinflussen. Sie könnten dem Markt CO₂-Verschmutzungsrechte entziehen, sie im Register der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) löschen lassen, das Angebot verknappen, den Wert der Kohlendioxidverbriefung erhöhen – und so den Anreiz für klimaschonende Investitionen erhöhen. "Stellen Sie sich vor, man entzöge dem Markt plötzlich 30 Prozent der zugeteilten CO₂-Emissionszertifikate und legte diese Menge nachhaltig still", sagt Aquila-Experte Ristau – wie in einem Ameisenhaufen ginge es zu, wenn diese Information bekannt würde.

Natürlich nur ein Gedankenspiel. Im Emissionshandel tummeln sich allenfalls Spekulanten, die zwar CO₂-Minderungsrechte dem Markt kurzfristig entziehen, nicht aber dauerhaft, sie warten lediglich auf einen Preisanstieg, um die Emissionszertifikate dann mit Gewinn verkaufen zu können. "Voraussetzung für diesen Mechanismus ist natürlich, dass der Markt für Emissionsrechte funktioniert und dass er Anlegern auch offensteht", sagt Aquila-Fondsmanager Ristau. Beides trifft auf ETS, bisher das weltweit einzige staatlich etablierte Handelssystem für Verschmutzungsrechte, zu. Es funktioniert, Handelsteilnehmer sind allerdings vor allem institutionelle Investoren, die Möglichkeiten für Privatanleger, am Emissionshandel zu partizipieren, sind bis heute beschränkt.

Große Mengen an Verschmutzungsrechten handeln die Unternehmen nicht mit jedermann, sondern untereinander oder über eine Börsenplattform. Dazu haben ihnen die Staaten auf Basis der EU-Emissionsrichtlinie für ihre Industrieanlagen feste CO₂-Emissionsrechte, die European Union Allowances (EUAs), zugeteilt. Zum Start des EU-ETS, in der ersten Handelsphase zwischen 2005 und 2007, meist noch kostenlos. In den nächsten beiden Handelsphasen, von 2008 bis 2012 und von 2013 bis 2020, werden die Verschmutzungsrechte knapper, ein immer größerer Anteil wird dann nicht mehr einfach so verteilt, sondern versteigert. So soll es für die Unternehmen teurer werden, das Klima zu schädigen.

"Das bedeutet, dass die rund 11.500 Unternehmen, die der Regelung in Europa unterliegen, entweder ihre Anlagen kohlendioxidarm umbauen, die Produktion drosseln oder Zertifikate hinzukaufen müssen", sagt Thomas Schütz von der DEHSt im Umweltbundesamt. Denn jede ausgestoßene Tonne CO₂, die ein Unternehmen nicht durch ein Zertifikat abdeckt, kostet 100 Euro Strafe – und das Zertifikat muss es außerdem nachliefern.

Eine weitere Möglichkeit für Firmen besteht darin, dass sie in beschränktem Maße Zertifikate zusätzlich erzeugen können. Beispielsweise, wenn sie in ein Klimaschutzprojekt in einem Entwicklungsland investieren, erwerben sie – nach bestimmten Vorgaben – Emissionsgutschriften, sogenannte Certified Emission Reductions (CERs). Wie die EUAs erlauben sie den Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid, sind im Handel aber etwas billiger. Das liegt daran, dass noch nicht sicher ist, ob auch diese Zertifikate wie die EUAs in die dritte Handelsphase übertragen werden dürfen oder einfach verfallen.

Der weltweite Markt für Emissionszertifikate hat sich nach einer Schätzung der Weltbank zwischen 2007 und 2008 auf 126 Milliarden US-Dollar fast verdoppelt, was auch am verstärkten Engagement der Europäer seit dem vergangenen Jahr liegt, können Privatanleger nur indirekt in saubere Luft investieren. Über die Börse oder die Hausbank können sie nicht direkt Verschmutzungsrechte erwerben, genauso wenig, wie sie echte Schweinebäuche oder frisch gepressten Orangensaft kaufen können. "Das liegt vor allem daran, dass Emissionszertifikate als Ware eingestuft werden, auf die Mehrwertsteuer zu bezahlen ist. Banken können diese nicht in den Kundendepots verbuchen", sagt Christine Bortenlänger, Mitglied der Geschäftsführung der Börse München. Nach einer Aufstellung von Lipper Research aus Frankfurt sind gerade einmal vier Fonds in Deutschland zum Vertrieb zugelassen – drei von der Deutschen Bank und einer vom britischen Emissionshaus ETF Securities. Hinzu kommen einige Dutzend Zertifikate, etwa von der Commerzbank, der Royal Bank of Scotland, der Unicredit-Tochter HypoVereinsbank und der Société Générale.