Mit einem kleinen Gummihammer klopft Martin Schleske auf den Geigenkörper. Das dumpfe Pochen von Holz ertönt. Nichts erinnert an den strahlenden Violinenton, den ein Virtuose dem Instrument entlocken kann. Und doch genügt Schleske das dumpfe Hämmern, um das ganze Klangspektrum der Geige vor sich zu sehen.

Ein alter Röhrenbildschirm zeichnet Zacken und Täler, eine Messkurve wie ein Gebirgspanorama. Es zeigt, wie der Körper der Geige schwingt, welche Brillanz ihm ein Musiker entlocken kann und welche Klangfarben in diesem Resonanzraum stecken – und welche nicht.

Martin Schleske ist Geigenbauer, einer der innovativsten unserer Zeit. Mithilfe der modernen Physik will er erreichen, was noch keinem seiner Kollegen gelungen ist: die Instrumente der italienischen Geigenbauer Stradivari und Guarneri vom Anfang des 18. Jahrhunderts zu übertreffen.

Noch nach rund 300 Jahren gelten diese Meisterwerke als Maß aller Dinge. Der Geigenbau ist eins der konservativsten Handwerke in Europa. Auch Schleske hat in seiner Ausbildung gelernt, aus der Beschaffenheit des Holzes den späteren Klang zu erahnen und die Wände der Geige in die richtige Dicke zu schmirgeln. Was er nicht lernte, war, den Klang zu verstehen. Als die Lehrmeister seine Fragen danach unbeantwortet ließen, holte er das Abitur nach und studierte Physik. »Ich habe mir damals ganz arrogant gesagt, dass ich entweder bessere Instrumente bauen möchte als Stradivari oder zumindest verstehen möchte, warum das nicht geht.«

Er ist komplett in Schwarz gekleidet, eine Mütze bedeckt seinen kahlen Kopf. Schleske ist ein ausgeglichener Mann ohne ausladende Gesten, aber mit einem bestimmenden Händedruck.