Unsere neue Umwälzpumpe kam mit dem Fahrrad. Theo Röhm, der "radelnde Installateur", hat sie vor zwei Wochen gebracht, um unsere Heizungsanlage energietechnisch zu verjüngen. Statt der 15 Jahre alten Standardpumpe drückt jetzt eine burgunderrote sogenannte Hocheffizienzpumpe das heiße Wasser in Richtung Heizkörper. Ein rot leuchtendes Display zeigt ihren aktuellen Verbrauch, je nach Heizbedarf schwankt er zwischen null und acht Watt, sehr selten steigt er über zehn. Die alte Pumpe dagegen war ein dummer Dauerläufer – rund um die Uhr, egal, ob warm oder kalt, zog sie 65 Watt aus der Leitung, still stand sie nur im Sommer.

Der Unterschied zwischen Alt und Neu summiert sich. Bei uns wird der Jahresverbrauch von 420 auf 90 Kilowattstunden sinken, das entspricht einer Ersparnis von rund 70 Euro. Viele Millionen Heizungspumpen drehen sich in deutschen Kellern. Zusammen verursachen sie über drei Prozent unseres gesamten Strombedarfs, etwa so viel wie alle elektrisch angetriebenen Züge, U-, S- und Straßenbahnen zusammen. Würden diese Pumpen alle modernisiert, wir könnten auf drei Atomkraftwerke verzichten.

Nirgendwo sonst ist Klimaschutz so schnell zu haben – und so billig. Denn die Bundesregierung fördert den Pumpentausch, indem sie über die KfW 25 Prozent der Kosten übernimmt, mindestens aber 100 Euro. Von den 330 Euro auf der Rechnung des radelnden Installateurs zahlen wir deshalb nur 230. Schon in dreieinhalb Jahren wird sich diese Investition amortisieren.

Auf der vom Umweltministerium geförderten Website www.sparpumpe.de kann sich jeder Heizungsbesitzer mit ein paar Klicks seine persönliche Rechnung aufmachen lassen und bekommt am Ende eine Liste geeigneter Pumpen sowie lokaler Handwerksbetriebe angezeigt, die sie einbauen können. Das Antragsformular für den KfW-Zuschuss kann man dort gleich online ausfüllen.

Für weitere Artikel der Serie klicken Sie auf das Bild

"Früher haben die Heizungsbauer oft die billigsten und dann auch noch völlig überdimensionierte Pumpen eingebaut", sagt Wolfgang Glaunsinger vom Verband der Elektrotechnik (VDE). Hausbesitzern war das Thema egal, und die Installateure wollten sich möglichen Ärger vom Hals halten, der schnell entsteht, wenn die Pumpleistung an einem bitterkalten Wintertag nicht ausreicht.

Moderne Hocheffizienzpumpen erzielen ihren Haupteffekt durch eine Kombination aus neuer Motorentechnik und elektronischer Regelung. Zum Einsatz kommen Gleichstrommotoren mit Permanentmagneten, deren Drehzahl sich anhand der Druckdifferenz zwischen Ein- und Auslauf automatisch dem Bedarf anpasst. Je mehr Heißwasser benötigt wird, desto schneller dreht sich die Pumpe. "Sie läuft immer im optimalen Betriebspunkt", sagt Glaunsinger.

3500 Euro kostet die Umrüstung eines bewohnten Einfamilienhauses

Dieser Trick ist schon lange bekannt, doch erst seit gut zehn Jahren ist die Technik kompakt, flexibel und billig genug für den Massenmarkt. Noch ist ihr Einsatz freiwillig, von 2013 an wird er europaweit zur Pflicht. Weitere zwei Jahre Aufschub gibt es dann nur für Pumpen, die fest in den Heizkessel integriert sind.

Für weitere Artikel der Serie klicken Sie auf das Bild

Einen weiteren Effizienzgewinn kann es nach Glaunsingers Ansicht nur mit ganz neuen Konzepten für den Heißwasserkreislauf geben. Zum Beispiel wenn man die zentrale Pumpe durch kleine Pümpchen an allen Heizkörpern ersetzt. Unter dem Namen Geniax ist ein solches System gerade auf den Markt gekommen. Um noch einmal 20 bis 25 Prozent senkt es den Stromverbrauch – gegenüber einem optimal eingestellten System mit Hocheffizienzpumpe im Keller.

Geniax sorgt automatisch für den sogenannten hydraulischen Abgleich der Heizkörper in allen Räumen. "In jeder Leitung wird nur noch der momentan nötige Druck erzeugt", sagt Anne Frentrup vom Hersteller Wilo. Die Minipumpen an den Heizkörpern erkennen es auch, wenn die Temperatur plötzlich sinkt, weil mit weit offenem Fenster gelüftet wird, und unterbrechen sofort die Heißwasserzufuhr. Für jeden Raum kann ein individuelles Temperaturprofil eingestellt werden, das Herumdrehen an Thermostaten entfällt.

Das größte technische Problem war die Entwicklung einer möglichst geräuschlosen Minipumpe. Denn was im Keller niemanden stört, kann neben Bett oder Sofa schnell nerven. "Leiser als das Ticken einer Uhr", seien die aufgerüsteten Heizkörper versichert Frentrup.

Doch seit Juli haben sich in ganz Deutschland nur gut 30 Hausbesitzer für das neue System erwärmen können. Der Gewinn an Effizienz und Komfort hat seinen Preis: Zusatzkosten von 1600 Euro entstehen bei einem Neubau, rund 3500 Euro kostet die Umrüstung eines bewohnten Einfamilienhauses. Und die macht auch noch Dreck und Lärm. Denn zu jedem Heizkörper und jedem "Zentralbediengerät" müssen Kabel für die Strom- und Datenanbindung verlegt werden.

Völlig schmerzlos war dagegen der Einbau unserer neuen zentralen Umwälzpumpe. Noch nicht einmal der Wasserdruck im Heizkreislauf musste dafür abgesenkt werden. Nach einer knappen Dreiviertelstunde trat der radelnde Installateur wieder in die Pedale, in seiner Packtasche auf Nimmerwiedersehen unser ausgedienter Stromfresser.