Das alte Jahr ging mit einem Paukenschlag zu Ende. Wann hat es das je gegeben, dass sich eine Zweihundertschaft von Professorinnen und Professoren öffentlich gegen eine politische Partei stellt? Die Partei, es ist immer dieselbe, hatte kurz vor Weihnachten in einem Inserat den "deutschen Filz" an den Hochschulen und in den Spitälern angeprangert. Zwischen den Jahren dann erhob sich die Professorenschaft und verkündete in einem ganzseitigen Inserat in der NZZ: "Die rassistische und fremdenfeindliche Rhetorik, Ideologie und Politik der SVP torpediert die Ausbildung unserer Jugend und setzt unsere Zukunft aufs Spiel."

Leider haben sich beide Seiten vergriffen. Die eine im Inhalt, die andere im Ton. Die SVP verbreitet wissentlich Unsinn – um ihre Mühlen der Angst weiter betreiben zu können. Denn eine Universität lebt von ausländischen Dozenten, da kann und darf es keinen Heimatschutz geben. Wer zu den Besten gehören will, braucht die Besten, egal, woher sie kommen. Die Schweiz hat mit der Personenfreizügigkeit die Grenzen geöffnet. Gut so. Nun muss sie aber auch die Folgen tragen. Und die neue Konkurrenzsituation als das annehmen, was sie ist: als eine Chance, sich zu beweisen.

Die Professorenschaft freilich greift mit einem Schlagwort wie "Rassismus" zum großen rhetorischen Kaliber – und wird dadurch ihrem Kontrahenten ähnlicher, als es ihr lieb sein kann. Solche Worte sollte man sich zweimal überlegen, denn sie lenken mit ihrer Grobschlächtigkeit vom Eigentlichen ab. Und das Eigentliche ist immer die Sache selbst.

Schauen wir uns also diese Sache mal ganz nüchtern an. Immer mehr Deutsche kommen in die Schweiz, sie besetzen oft Stellen, die Schweizer nicht mehr ausfüllen wollen oder können. Viele von ihnen sind sehr gut ausgebildet und bekommen deswegen auch Stellen an den Hochschulen. Heute sind rund ein Drittel aller Professoren an der Universität Zürich Deutsche. In St. Gallen sind es 40 Prozent. Spricht das nun gegen die Deutschen? Nein. Sie gehorchen allein dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Wenn, dann spricht es gegen die Schweizer.