Was könnte er auf diese kalkweißen Wände malen? Nicht ein einziges Bild hängt in dem Haus, in dem Kurt Westergaard seit ein paar Tagen lebt, und wenn ein Zeichner einen Ort ohne Zeichnungen bewohnt, dann spricht das sehr dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Von einer bezaubernden Fee würde er sich gerne anschauen lassen, von wundersamen Vögeln, einem Einhorn. Kurt Westergaard liebt Einhörner. Aber wie soll er sie malen, wenn es hier nirgendwo eine Dose Farbe gibt, keinen Pinsel, nicht einmal eine Stift?
Rufen ihn Freunde auf dem Handy an, dann versucht er das Gespräch mit einem kleinen Scherz aufzulockern, aber der hält nicht lange vor. "Kurt, wo bist du denn?", fragen die Anrufer, und Westergaard antwortet: "Darf ich nicht sagen. Ich lebe in einem sicheren Haus." Sicheres Haus, das Wort hat er von den Geheimdienstleuten der dänischen Polizei übernommen. Vielleicht wird er einige von ihnen im Juli zu seinem 75. Geburtstag einladen. Er sagt: "Wir sind ja Freunde geworden."