Stille. Das ist der erste Eindruck, wenn man drinsitzt. Schlüssel in der Mittelkonsole nach rechts drehen. Nichts. Kein Anlasserkeuchen, kein Röcheln, kein Ruckeln. Der Motor ist einfach angeschaltet. Von außen sieht der Smart aus wie ein gewöhnlicher Smart. Doch im Heck des Modells fortwo electric drive steckt ein Elektromotor, kaum größer als ein Kastenweißbrot. Ein Tritt aufs Gaspedal, wenn man das noch so nennen mag. Stille. Dann eine beachtliche Beschleunigung. Jetzt wird ein leises Surren hörbar. So klingt es, wenn in Science-Fiction-Filmen Raumschiffe starten.

Das Fahrgefühl: ein beinah irreales Gleiten, fast ein Schweben. Die akustischen Reize, von denen es heißt, sie machten Autofahren zu einem emotionalen Erlebnis – sie fallen weg. Aber nicht der Spaß. Bei einem Elektromotor liegt das volle Drehmoment sofort an. Wenn man nach einem Ampelstart in den Rückspiegel schaut, hat man die Spritverbrenner im doppelten Sinn hinter sich gelassen. Erinnerungen an die Carrera-Bahn. Weiterer Bestandteil des Fahrgefühls: Heiterkeit.

Wo andere Autos einen Drehzahlmesser haben, hat der elektrische Smart Anzeigen für Spannung und Akkuladung. 135 Kilometer Reichweite, das genügt für die Stadt. Wenn der Wagen an der Dose hängt, kann er übers Internet oder auch vom Handy aus programmiert werden, damit er pünktlich aufgeladen und perfekt klimatisiert ist. Derzeit wird dieses technische Wunderwerk als Öko-Engel präsentiert. Der Elektroantrieb sei "die zweite Erfindung des Automobils". Kritiker sprechen hingegen von einem "Greenwashing"-Effekt: Unternehmen schminkten sich ihr Image grün, aber das nutze allenfalls dem Meinungsklima. Wie die tatsächliche CO₂-Bilanz ausfällt, hängt davon ab, wie der Strom erzeugt wird.

Der Smart electric drive geht in Serienfertigung. Das ist schon mal ernst gemeint. Ernst meinen muss es auch, wer ihn fahren will. Ein Kaufpreis wird noch nicht genannt: Der Wagen ist so teuer, dass es ihn bislang nur im Leasing-Paket gibt. Bei dem ist alles drin, sogar Strom aus regenerativen Quellen für die ersten 18 Monate. Aber für 700 Euro monatlich muss man den Kleinen schon wirklich ins Herz schließen. Für eine solche Monatsmiete erhält man auch einen dicken Mercedes oder BMW. Ob der Elektrosmart in Zukunft tatsächlich als "Volkswagen" durch unsere Städte stromert, wie der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hofft? Eher wird dieses Auto wohl zum Statussymbol für das neue ökologisch denkende Bürgertum.

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor