Mefi Tupou, ein pausbäckiger und gut gelaunter Schweinewirt mit grauem Kraushaar, greift beherzt in den Verschlag, den er notdürftig aus Wellblech und Brettern zusammengezimmert hat. Er packt ein Ferkel, hält es hoch und freut sich: "Schon wieder ein neuer Energielieferant!" Das Ferkel quiekt panisch. Wenn Schweine reden könnten, dann würden sie erzählen, wie sich lange niemand für sie interessiert hatte – bis eines Tages ein deutscher Ingenieur aufkreuzte. Der sagte, dass ihre Fäkalien Gold wert seien, weil man daraus Energie erzeugen könne und nebenbei die Umwelt schone.

Die Tiere von Tupou auf der schönen samoanischen Hauptinsel Upolu im Südpazifik sind über Nacht die neuen Stars des samoanischen Umweltschutzes geworden. Denn auf Tupous Hof entsteht die erste Biogasanlage in der ehemaligen deutschen Kolonie, und Tupou ist ausgesprochen euphorisch.

Christian Voltermann, 28 Jahre alt, war auch mal euphorisch. Aber das ist schon einige Jahre her. Die ganze Sache ist ihm inzwischen über den Kopf gewachsen. Doch es ist zu spät. Ein Zurück wäre der Untergang. Als er vor etlichen Jahren von Biogas hörte, überzeugte er seine Eltern, auf ihrem Hof in Haaren (Ostercappeln), 15 Kilometer nordöstlich von Osnabrück, eine Anlage dafür zu bauen.

Der samoanische Schweinewirt Mefi Tupou und Christian Voltermann haben nicht viel gemein. Sie trennen fast 20.000 Kilometer, doch eines eint sie: Beide setzen auf Biogas.

Der eine in einem Do-it-yourself-Projekt, der andere in einem Gestrüpp aus Investoren und Behörden. Der eine, um einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und kostenlos Energie für den Eigenbedarf zu beziehen. Der andere, um in schweren Zeiten und in einer strauchelnden Branche ein neues Standbein zu finden. Der eine mit viel Rückenwind und motiviert, der andere mit Gegenwind und frustriert.

Die Geschichte von Mefi Tupou und Christian Voltermann ist die Geschichte vom globalen Vormarsch des Biogases, der grünen Energie. Sie zeigt auch die merkwürdigen Auswüchse eines Booms, der ad absurdum geführt wird, wenn nicht mehr ökologische, sondern ökonomische Gründe zählen. Deshalb steigt die Zahl der Bürgerinitiativen gegen Biogasanlagen.

Haaren im Osnabrücker Land ist eine kleine Ansiedlung alter Bauernhöfe, die meisten sind seit Generationen in Familienhand. Voltermann hätte nie gedacht, dass hier Protest gegen seine Biogasanlage aufkommen würde. Eigentlich sollte sie schon 2007 in Betrieb gehen, Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro. Voltermann hatte alles vorbereitet, die behördlichen Auflagen erfüllt, ein Finanzierungskonzept erstellt und Förderkredite von der KfW beantragt. Doch dann entstand diese Bürgerinitiative, und Voltermann musste nachbessern, auch weil ihn die Behörden offenbar ins offene Messer laufen ließen. So erzählt er zumindest.