Testfrage: Von wem stammt folgendes Zitat: "Liebe Kundinnen und Kunden, unterstützen Sie die Kollegen von Schlecker. Kaufen Sie nur in Filialen, die ihre Mitarbeiter nach den mit der Gewerkschaft ver.di geschlossenen Tarifverträgen bezahlen."

Antwort: Der Verfasser des Boykottaufrufs heißt weder Gysi noch Trittin, er arbeitet weder für ver.di noch für die Linkspartei. Es handelt sich um den CDU-Politiker Karl-Josef Laumann, Landesarbeitsminister von Nordrhein-Westfalen. Er wirft der Drogeriekette Schlecker Lohndumping vor. Offenbar hat Schlecker massenhaft Mitarbeitern mit befristeten Verträgen eine Weiterbeschäftigung nur zu deutlich schlechteren Bedingungen in einer Zeitarbeitsfirma angeboten. Nach Angaben von ver.di verdienen die Leiharbeiter etwa halb so viel wie vorher und müssen auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.

Dass Unionspolitiker wie Laumann mit Appellen an die Verbraucher darauf reagieren, ist interessant, vielleicht sogar amüsant. Es ist aber auch ein Problem. Denn Laumann, seine Partei, seine Kanzlerin und auch seine frisch ins Amt gewechselte Kollegin auf Bundesebene, Ursula von der Leyen, könnten ja regieren, statt nur zu reden.

Die Personalpolitik der Firma Schlecker ist nicht illegal. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz lässt sie zu.

Es wäre gar nicht schwer, die Arbeitnehmer vor Dumpinglöhnen zu schützen, ohne allzu hohe Hürden für seriöse Zeitarbeitsfirmen aufzubauen. Denn diese Firmen bieten Arbeitslosen ja auch Chancen. Am besten wäre eine Regel, wonach Zeitarbeiter höchstens 20 Prozent weniger verdienen dürfen als Vertreter der Stammbelegschaft – und das für maximal zwei Jahre. Wer zwei Jahre lang als Zeitarbeiter in einem Unternehmen war, ist keine Aushilfe mehr. Er sollte bezahlt werden wie die Kollegen mit unbefristeten Verträgen. Das ist gut für das Klima im Betrieb und verringert den Anreiz für die Unternehmen, ihre Kernbelegschaften langsam zu ersetzen. Durch einen Lohnabstand von maximal 20 Prozent bliebe die Einstellung von Zeitarbeitskräften zwar attraktiv und der sogenannte "Klebeeffekt", wonach angeblich 20 bis 30 Prozent der Leiharbeiter weiterbeschäftigt werden, würde nicht gefährdet.

Die zweitbeste Lösung wäre ein Mindestlohn, der allzu große Lohnabstände zwischen Leiharbeitern und Dauerbeschäftigten verringern könnte.

Bisher sind solche Vorschläge stets an der Union gescheitert, die der Zeitarbeit partout keine härteren Grenzen setzen wollte. Von der Leyen und Laumann haben zwar gerade mit öffentlichem Druck erreicht, dass sich Schlecker von seiner bisherigen Leiharbeitsfirma lossagen will. Aber niemand weiß, ob das ein Sieg von Dauer ist. Die Union sollte ihrer Arbeitsministerin folgen, die auch im neuen Ressort in die politische Mitte drängt und das Leiharbeitsgesetz ändern will. Ohne Reform der Reform dürfte es bald den nächsten Fall Schlecker geben.