Zum rühmlichen Erinnern der 1989er Wende gehört der Begriff "friedliche Revolution". Selten vergessen wird ein Lob der DDR-Kirchen, deren christlicher Antimilitarismus moralisch half, das SED-Regime und die Ost-West-Konfrontation zu überwinden. Olle Kamellen? Im Jahre 2010 scheint es, dass Deutschlands wahrer Chef für Auswärtige Angelegenheiten nicht der Außenminister ist, sondern der für "kriegsähnliche Zustände".

Gescholten wird Bischöfin Margot Käßmann, die in ihrer Dresdner Neujahrspredigt sagte: "Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan." Und in einem Interview mit der Berliner Zeitung wagte sie jene vermutlich vaterlandsverräterischen Sätze, die Deutschlands Freiheitsverteidigern am Hindukusch geradezu die Bibel in den Rücken rammten: Was in Afghanistan geschehe, sei "in keiner Weise zu rechtfertigen. (…) Es gibt keinen gerechten Krieg." Ungescholten, unzitiert blieb diese Passage: "Wir sind auch der drittgrößte Rüstungsexporteur. Wir verdienen auch noch an den Kriegen, die wir dann beklagen."

Vor zwanzig Jahren habe ich Deutschlands Einheit nicht ersehnt, aus zwei Gründen. Ich fürchtete neuen Nationalismus (gottlob zu Unrecht?) und eine Militarisierung der künftigen deutschen Außenpolitik, vor der damals Günter Gaus in einem prophetischen Spiegel- Essay warnte. Gaus unvergessenes Fazit: "Der Unerschrockene mag es eine Normalisierung nennen." Es befreit, zu hören, dass Margot Käßmann zu den Erschrockenen zählt. Jesus war kein Normalpolitiker. "Ihr seid das Salz der Erde", sagt er in der Bergpredigt. "Wenn aber das Salz stumpf wird, womit soll mans salzen?"