In einer jener Landschaften, die Wiege und Schnittpunkt vieler Kulturen waren, wurde er in der Frühzeit eines mächtigen Großreichs geboren. Über drei Kontinente erstreckte sich dieses Reich, das eine der spektakulärsten Ruinenstätten weltweit hinterließ. Um seine Geburt ranken sich Wundererzählungen, die anrührendste von ihnen berichtet, er sei mit einem Lachen auf die Welt gekommen. Und da es an genauen Daten mangelt, wuchern Vermutungen. So beansprucht eine ganze Reihe von Städten den Ruhm, sein Geburtsort zu sein. Dass er tatsächlich gelebt hat, bezweifelt niemand, aber wann genau und wo – darüber streiten sich die Gelehrten. Trotz aller Bemühungen der Forschung, Licht in das Halbdunkel von Überlieferungen und Legenden zu bringen, bleibt sein Bild verschwommen.

Frühe Biografen berichten, zwischen seinem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr habe er Offenbarungsgespräche mit dem "Weisen Meister" geführt und "die Lehre angenommen". Obwohl allenfalls Bruchstücke seiner Unterweisungen bekannt waren, galt er als Weisheitsverkünder, auch als Magier und toleranter Vermittler in Glaubensfragen. Obwohl er als "erster Krieger, erster Priester und erster Bauer" gepriesen wird, lässt sich seine Rolle nicht eindeutig klären: War er tatsächlich ein Prophet, durch den das höchste Wesen sich offenbarte, oder stand er nur als Interpret, vielleicht auch Reformator oder Politiker, in einer langen Tradition, die weit in die Geschichte zurückreichte? Für seine Anhänger jedenfalls steht fest, dass er predigend seine Lehre verkündete, sie in argumentativen Wettbewerben gegen Zweifler verteidigte und zu ihrer Bekräftigung Wunder folgen ließ. Im hohen Alter fiel der Verkünder einer menschenfreundlichen Lehre seinen Gegnern zum Opfer.

Wie sein Leben wird das Problem seiner Autorschaft an schwer zu übersetzenden, oft verwirrend widersprüchlichen Texten auch weiterhin übergenug Stoff für ernsthafte Debatten und kühne Vermutungen liefern. Aus dem Wust komplizierter Überlieferungen und immer neuer Umformulierungen lassen sich zwar die Grundsätze seines Glaubens nur schwer herauslösen, das Dogma, auf dem sein Lehrgebäude ruhte, war jedoch revolutionär: Ein doppeltes und widerstreitendes Prinzip regiert die Welt bis zum endgültigen Sieg des Guten. Dieser Dualismus gewährt dem Gläubigen die Freiheit, sich für "gute Gedanken, gute Worte und gute Taten" zu entscheiden. Eine gütige Moral leitet die Gläubigen an, sich am Leben zu freuen, wahrhaftig zu sein, die Lüge als schlimmste aller Sünden zu meiden und Reinheitsgebote zu beachten.

Seine ferne und undeutliche Gestalt faszinierte aufgeschlossene Geister zu allen Zeiten. Geradezu populär wurde er jedoch als Titelheld einer literarischen Inszenierung: Dort spielt er die Rolle des einsamen Wahrheitssuchers, der eine alte, verkrustete und lebensfeindliche Moral überwindet. Wer war's?

Lösung aus Nr. 2:
Louis Armstrong (1901 bis 1971) wuchs in New Orleans auf und verbrachte zwei Jahre in der Erziehungsanstalt Waif’s Home for Boys, wo er das Kornettspiel erlernte. Von 1919 bis 1921 gehörte er zu Fate Marables Mississippi River Band. Später lebte er in Chicago und New York. 1927 wechselte er endgültig zur Trompete, spielte sie als Soloinstrument, revolutionierte damit und mit seinem Scat-Gesang den Jazz und wurde weltberühmt. Armstrong war viermal verheiratet, musikalisch prägend war die zweite Ehe (1924–1938) mit der Pianistin Lil Hardin, am glücklichsten seine vierte Ehe mit Lucille Wilson (seit 1942). Alle Zitate aus: Ilse Storb, "Louis Armstrong", Rowohlt-Verlag