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Dass von dem Kreuz, an dem Jesus hingerichtet wurde, überhaupt noch etwas übrig ist, darf man bezweifeln. Erst 300 Jahre nach dem Ereignis wurde versucht, das Original ausfindig zu machen. Die heilige Helena ließ auf der Hinrichtungsstätte in Jerusalem einen Venustempel einreißen und entdeckte dort der Legende nach drei Kreuze.

Durch einen Test an einer schwer kranken Frau identifizierte man das richtige Kreuz – es heilte sie auf der Stelle. Dieses Kreuz hatte dann eine bewegte Geschichte. Es geriet nach Konstantinopel und wurde dort 1187 von dem islamischen Herrscher Saladin geraubt. Nur Teile blieben zurück, die dann 1204 bei der Eroberung Konstantinopels endgültig in die Hände der westlichen Kreuzfahrer gerieten. Diese Fragmente wurden noch einmal in viele kleine Teile und Splitter zerlegt, viele Kreuzfahrer nahmen ein Stück davon mit nach Hause.

Im Zeitalter der Reformation spotteten dann Protestanten über die reliquienbesessenen Katholiken. Johannes Calvin etwa meinte, all die angeblichen Kreuz-Splitter ergäben zusammen eine "Schiffsladung" voll.

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Im 19. Jahrhundert machte dann der französische Architekt und Gelehrte Rohault de Fleury eine Bestandsaufnahme aller von der Kirche verehrten Kreuz-Teile. Akribisch notierte er das Volumen der Splitter und Balken und kam in der Summe auf vier Liter, viel weniger, als ein reales Kreuz hätte.

Es bleibt also noch Raum für weitere Reliquien – an der Echtheit der Kreuzsplitter, die manchmal bei eBay auftauchen, darf man dennoch zweifeln.

In der ursprünglichen Fassung hieß es, das Kreuz sei erst 1204 wieder in christliche Hände geraten – was suggeriert, dass die orthodoxen Christen keine Christen seien. Wir bitten um Entschuldigung.