Manchmal begegne ich im Traum meinem schlechten Gewissen. In diesen Träumen gehe ich wieder zur Schule. Ein schlechtes Gewissen habe ich, weil ich nicht vernünftig auf den Unterricht vorbereitet bin. Ich sitze in meinem alten Klassenzimmer im Jungengymnasium von Gummersbach, einem Raum mit buntem Glas in den Fenstern und alten Holztischen, die vollgeritzt sind mit Sprüchen und Namen. Von diesem Klassenzimmer aus habe ich die Straße im Blick und damit die Schülerinnen aus dem Mädchengymnasium auf ihrem Heimweg.

Ich war häufig genug nicht auf die Schule vorbereitet. Handball spielen war mir wichtiger. Als Siebenjähriger konnte ich, ohne zu stocken, sämtliche Bundesligaaufstellungen aufsagen oder die Ergebnisse der Olympischen Spiele in Rom. Nur wenn es um Schularbeiten ging, war da dieses ständige schlechte Gewissen.

Eigentlich bin ich nicht als Träumer bekannt, sondern als Realist. Ich stamme aus einer Handballerfamilie. Mein Vater machte den Sport in Gummersbach bekannt. Meine älteren Brüder spielten sehr erfolgreich als Bundesliga- und Nationalspieler. Als kleiner Junge wusste ich: "Da willst du auch hinkommen." Um diesen Wunsch zu verwirklichen, setzte ich mir Ziele. Schritt für Schritt habe ich sie verfolgt, seit ich sechs Jahre alt war.

Man sagte: "Der Heiner hat Talent." Heute weiß ich, dass das nicht reicht. Um erfolgreich zu sein, muss man nicht nur gut sein. Eine gehörige Portion Glück gehört auch dazu. Ob ich es mir erträumt habe, Weltmeister zu werden, nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer? Nein. Aber darauf gehofft habe ich schon. Und der Realist in mir hat daran gearbeitet. Gewissenhaft, aber auch mit ganz viel Spaß. Mein Ziel war es, das eigene Spiel zu verbessern. Heute will ich mit der Mannschaft erfolgreich sein.

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Dabei begegne ich wieder meinem schlechten Gewissen. Es bewirkt, dass ich unbedingt vermeiden will, noch einmal schlecht vorbereitet zu sein. Steht ein wichtiges Spiel bevor, sehe ich mir nicht bloß ein paar Begegnungen von unseren gegnerischen Mannschaften an, sondern alle. Ich will nichts außer Acht lassen. Ich will mir nicht vorwerfen müssen, dass ich wieder mal meine Hausaufgaben nicht gemacht habe.

Mein schlechtes Gewissen ist gleichzeitig mein Antrieb. Ich möchte zu einer besseren Gesellschaft beitragen. Weil es mir gut geht und ich davon etwas abgeben will. Ich bin Botschafter für die Aktion Deutschland Hilft, ein Bündnis von zehn Hilfsorganisationen, das mir gefällt, weil es als Team agiert. Wir haben zum Beispiel den Erdbebenopfern in Indonesien geholfen, die fünf Jahre zuvor den Tsunami überlebt hatten.