Was jetzt zu tun ist? Einiges. Zunächst einmal: Wir sollten sofort damit anfangen, einen vernünftigen Namen für die "Zehnerjahre" zu finden. Nicht dass wir erst 2019 nachzudenken beginnen und dann wieder so dumm dasitzen wie jetzt mit den "Nullerjahren".

Ist das getan, bitte die Bürgersteige erst einmal vom Schnee frei räumen. Angeblich liegt in manchen Landesteilen sogar noch Schnee aus dem vergangenen Jahrzehnt.

So kann das natürlich nichts werden mit Guido Westerwelles "geistig-politischer Wende", die wir uns für diese Woche endlich vornehmen wollten. Anders als oft vermutet, will er damit natürlich keinesfalls an die "geistig-moralische Wende" von Helmut Kohl anknüpfen, sondern an jene taktischen Wendemanöver bei Gegenwind, die er vor zehn Jahren bei seinem Segelschein auf dem Berliner Wannsee gelernt hat. Beim Segeln dient die Wende dazu, sinnvoll (für FDP-Wähler: "geistig") mit Gegenwind umzugehen.

Das Private also wird politisch: Der nächste Kurs Sportbootführerschein Segeln beginnt in Berlin am 21. Januar. Zur Einleitung der geistig-politischen Wende benennen wir zunächst Aktmalereikurse in Lehrgänge für Nacktscannen um.

Anschließend wird an allen Landesgrenzen das legendäre Wort Westerwelles in goldenen Lettern eingemeißelt, mit der er in seiner ersten Rede als Außenminister diese Wende eingeleitet hat: "Es ist Deutschland hier." Es ist also einiges zu tun.

Ansonsten sollten Sie sich am Wochenende eine schöne Ausstellung anschauen. Wer sich für frühe Formen des Nacktscannens interessiert, muss nach Bielefeld in die Kunsthalle gehen, dort gibt es die erste und mustergültige Ausstellung über den deutschen Impressionismus, ein Fest des Lichts und der Malkunst (bis 28. Februar; um das obige Bild zu vergrößern, klicken Sie hier).

Allein kompositorisch konnten die deutschen Leinwandkünstler nicht mit den Franzosen mithalten – dass das auch hundert Jahre später noch der Fall ist, demonstriert das Œuvre des großen Regisseurs Eric Rohmer, der diese Woche gestorben ist. Eine Sammlung aller seiner besten Filme gibt es als "The Eric Rohmer-Collection" in einer englischen Fassung, zahlreiche spätere Werke auch einzeln in deutscher Übersetzung. Obwohl man es natürlich eigentlich auf Französisch hören muss. Impressionismus mag zwar auch auf Deutsch funktionieren. Rohmer aber nicht. Es ist wahrscheinlich dafür nicht einmal wichtig, Französisch zu können. Man kann auch einfach seine eigenen Untertitel aus dem Gedächtnis druntersetzen. Was also jetzt dringend zu tun ist: ein Abend mit Claires Knie, der Marquise von O. oder einem Film aus dem Jahreszeitenzyklus, dem Wintermärchen natürlich am besten, diesem wunderbaren Film über die Hoffnung mit seinen endlosen Jacke-an-Jacke-aus-Schilderungen eines ungemütlichen Pariser Winters, der doch in jeder Sekunde zeigt: Es ist Frankreich hier.

So. Abschließend, es ist schließlich Feuilleton hier, noch der kurze Hinweis auf zwei Websites, die Sie dringend besuchen sollten: www.aldaily.com bündelt alle originellen Artikel und geistig-politischen Wendemanöver in englischsprachigen Zeitschriften und Zeitungen in dreizeilige Zusammenfassungen von schönster Schärfe und Brillanz. Zur Erholung gehen Sie bitte anschließend Segeln oder auf die saukomische Humorseite von Spiegel Online (www.spiegel.de/spam).

Mehr gibt’s dann auch in dieser Woche nicht zu tun.