Ein halbes Jahr später begann die Weltfinanzkrise, die sich aufgrund der hohen Abhängigkeit vom Bausektor und vom krisensensiblen Tourismus umso stärker und nachhaltiger in Spanien auswirkte. Laut Umfragen verspüren die Bürger mittlerweile einen dramatisch steigenden Unmut über die "politische Klasse" und die Parteien, besonders über die Sozialisten.

Im Milieu der europäischen Linken aber richten sich immer noch große Erwartungen an den zweifachen Wahlsieger aus Spanien. Die anderen Sozialisten des Südens, Sócrates in Portugal und Papandreou in Griechenland, haben vor dem Hintergrund ihrer vom Bankrott bedrohten Ökonomien kein Gewicht, dem Österreicher Faymann fehlt jede ausgreifende inhaltliche Ambition, und der Norweger Jens Stoltenberg, der durchaus das Format hätte, in die politische Debatte einzugreifen, operiert als Nicht-EU-Regierender zu sehr am Rande. Bleibt, neben dem verblassenden Gordon Brown, nur noch der Genosse José Luis, der verspätete Neuling auf der internationalen Bühne.

Er ist der einzige bekennende Feminist und Frauenförderer in Europa. Und er war es auch, der mit Gordon Brown die personalpolitischen Fäden der EU-Sozialdemokraten zog, als es um den "EU-Außenminister" ging. Mag schon sein, dass Zapatero – wie Brown – den einstigen Blair-Schützling Peter Mandelson für den stärksten Kandidaten der Euro-Sozialisten hielt. Aber bei der Frauenförderung kennt Zapatero kein Pardon. Und der "Hohe Repräsentant für Außen- und Sicherheitspolitik", da ließ der Spanier nicht mit sich handeln, musste eine Frau sein. Für diesen Fall hatte Brown, der Mandelson wollte, auf seiner Liste nur Catherine Ashton notiert. Für den Spanier war der Fall damit klar. Die anderen Herren leisteten keinen Widerstand.