Als verwundbarste Stelle einer Frau, die von ihrem Mann mit einer Jüngeren betrogen wird, gilt ihr Alter. Der Stachel der Kränkung dringt umso tiefer, je stärker die Konkurrentin optisch der Frau ähnelt, die sie selbst vor zwanzig Jahren war. Wäre der Gatte einer Witzigeren, aber Gleichaltrigen zuliebe untreu geworden, könnte sie versuchen, witziger zu werden. Gegen die Zeit aber lässt sich nicht kämpfen. Darin scheint die Tragödie zu liegen, die Caroline von Monaco eingeholt hat. Doch der Fall liegt anders. Denn die schöne monegassische Fürstin wurde an einer Stelle verletzt, an der sie sich seit Langem verwundbarer zeigt als im Vorgang des Alterns: in ihrem aristokratischen Begriff von privater Unerreichbarkeit.

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Was die Bilder, die Ernst August Prinz von Hannover beim Planschen mit der, laut Bild, 41-jährigen Myriam aus Marrakesch in einer thailändischen Urlaubsbucht zeigen, über den Skandal des Seitensprungs hinaus so bösartig macht, ist die demonstrative Indiskretion, der sie sich verdanken. Jeder Tourist, der sich zeitgleich mit dem Prinzen auf Phuket aufhielt, kann die Szene als Trophäe im Handy heimtragen. Damit wird die betrogene Fürstin an einem Nerv getroffen, der mindestens so empfindlich sein dürfte wie ihr Wunsch nach ehelicher Treue. Bis zum Europäischen Gerichtshof prozessierte Caroline von Monaco in den neunziger Jahren gegen den Abdruck von Paparazzi-Fotos in Illustrierten – und erwirkte das "Caroline-Urteil", das im Bildjournalismus Geschichte machte.

Während ein Teil des europäischen Hochadels dazu überging, sich dem Zeitgeist als plebejische Big Brother- Show vor die Füße zu werfen, verführt vom Neurosenspektakel Lady Dianas, verteidigte Caroline das Repräsentationsprinzip ihrer Rolle als Fürstin. Sie arbeitete an der Ikonografie einer Frau fast ohne Eigenschaften, von der niemand weiß, welches Fitnessstudio sie besucht und ob sie einen Fernseher vor dem Bett stehen hat. Und die vorige Woche in Hildesheim bei einem Prozess standhaft für ihren Mann ausgesagt hat. Die ungehindert um die Welt gehenden Phuket-Bilder treffen Caroline von Monacos bewundernswertes Beharren auf Privatsphäre mehr als ihre Weiblichkeit.

In dieser Niederlage steckt auch etwas Gutes. Sie zeigt, dass bei Frauen über fünfzig das Alter nicht die Hauptquelle ihrer Tragödien sein muss, dass ihre verwundbarste Stelle ihre gesellschaftliche Rolle sein kann. Was, im Umkehrschluss, mit dem Alter versöhnt.