Es dauert genau 17 Minuten, bis er die entscheidenden Worte formuliert. "Mit normalen Haushaltsmechanismen wird die Sanierung nicht zu machen sein", sagt Wolfgang Schäuble am Dienstag dieser Woche in seiner Haushaltsrede vor dem Bundestag – und was der Finanzminister da ankündigt, ist nicht weniger als der härteste Sparkurs in der Geschichte der Republik. 60 Milliarden Euro muss die Regierung bis 2016 einsparen. So sieht es die im Grundgesetz verankerte Verschuldungsregel – die Schuldenbremse – vor.

Allerdings: Wie und wo er sparen wird, das sagt Schäuble auch an diesem Tag nicht. Er formuliert zwar die entscheidenden Worte. Die entscheidenden Zahlen aber bleibt er schuldig.

Man kann es dem Minister nicht verdenken. Wie heftig das Spardiktat der kommenden Jahre sein wird, zeigt schon der Vergleich zur Vorgängerregierung: Union und SPD wollten die Löcher im Staatshaushalt stopfen, indem sie die Steuereinnahmen erhöhten – die Mehrwertsteuer stieg um drei Prozentpunkte. Diesmal würde selbst das nicht wirklich helfen. Eine Mehrwertsteuererhöhung auf 22 Prozent brächte jährlich rund 24 Milliarden Euro – womit knapp 40 Milliarden fehlten.

Es muss gespart werden wie noch nie. Weil jeder Vorschlag auf politischen Widerstand stößt, heißt es oft, der Staat solle pauschal alle Subventionen um einen bestimmten Prozentsatz kürzen. Was dabei verschwiegen wird: Hinter mancher Subvention verbirgt sich eine Sozialleistung – etwa die Förderung von Kindertagesstätten oder die Unterstützung von Sportverbänden. Andere Subventionen wiederum werden nicht einmal als solche ausgewiesen. "Verdeckte" Subventionen nennt sie der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Ein Beispiel: Geschätzte fünf Milliarden Euro ist dem Staat die Förderung der Riester-Rente wert. Bofinger stört, dass viele Bürger deswegen aber gar nicht zusätzlich sparen, sondern ihr Geld nur von einer Sparanlage zur anderen umschichten. Er kommt insgesamt auf rund 25 Milliarden Euro an "verdeckten" Subventionen, die der Staat einsparen könnte.

Heikel an allen Spar- und Steuererhöhungsvorschlägen ist jedoch nicht nur deren Volumen. Ökonomisch wird es von 2011 an darum gehen, das Defizit einzuschränken, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Ganz entscheidend ist dabei, welchem politischen Leitbild man folgt – ob man eher glaubt, die Nachfragekräfte, auch die staatlichen, stärken zu müssen oder eher die Angebotsbedingungen für Unternehmen verbessern will; ob man mehr Umverteilung möchte oder weniger. Die ZEIT stellt eine Auswahl der Sparvorschläge, die in der politischen Debatte immer wieder genannt werden, daher entsprechend ihrer ideologischen Herkunft dar.

Viele dieser Ideen gelten als politisch kaum durchsetzbar und werden deshalb aktuell auch nicht laut gefordert, etwa die Abschaffung der Pendlerpauschale oder die Halbierung des Steuerzuschusses für die gesetzlichen Krankenkassen. Andere wiederum basieren auf umstrittenen Schätzungen: Dass die Wiedereinführung der Vermögensteuer rund 80 Milliarden Euro an Einnahmen bringen könnte, glaubt im Bundestag nur die Linkspartei. Gleichwohl werden die meisten der aufgelisteten Zahlen in der aktuellen Debatte immer wieder genannt.

Das Erschreckende: Selbst wenn alle Sparvorschläge umgesetzt würden, dürfte der Finanzminister die notwendigen 60 Milliarden Euro kaum zusammenbekommen. Entweder geht Schäuble also radikaler vor als bislang vorstellbar – oder er muss am Ende doch die Steuern erhöhen.