Norbert Röttgen und Kurt Lauk haben einiges gemeinsam: Beide gelten als Kenner der Ökonomie, beide sind Mitglied der CDU, beide sitzen im Präsidium des Wirtschaftsrates der Union. Neuerdings trennt die beiden aber auch einiges. Röttgen, seit knapp drei Monaten Bundesumweltminister, will die Wirtschaft auf ökologische Modernisierung trimmen. Lauk dagegen, Präsident des Investmentunternehmens Globe Capital, warnt davor, in Sachen Klimaschutz "politischer Pilot sein zu wollen".

Der Riss zwischen den beiden Unionisten könnte tiefer kaum sein. Während Röttgen die CDU ergrünen lassen und dafür sorgen will, dass Deutschland sich vollständig mit regenerativer Energie versorgt, hat sich Parteifreund Lauk in die Reihen der Klimaskeptiker geschlagen. Ob die erhöhte Konzentration von Kohlendioxid (CO₂) in der Erdatmosphäre "Ursache oder Folge des Klimawandels" sei, müsse erst einmal geklärt werden, sagt er. Die Botschaft hinter diesen Worten lautet: Bis auf Weiteres Pause beim Klimaschutz.

Die Stromkonzerne wollen schnell längere Laufzeiten für Atommeiler

So weit wie Lauk wagt sich in Deutschland zwar kaum sonst jemand aus der Deckung. Unverkennbar jedoch ist, dass nach dem kläglichen Ende des Weltklimagipfels in Kopenhagen die Attacken auf Röttgens Kurs härter werden. Und dass der "grüne Schwarze" ( FAZ ) darum kämpfen muss, wirklich zu einem Klimaretter zu werden.

Verteidigen muss Röttgen seine Vorhaben an mehreren Fronten. So drängen die Stromkonzerne darauf, schnell über längere Laufzeiten für die hiesigen Atomkraftwerke zu entscheiden. Druck machen vor allem RWE und EnBW, weil ihre Meiler Biblis A (RWE) und Neckarwestheim 1 (EnBW) von einem baldigen Aus bedroht sind; sie haben die genehmigte Höchstmenge Strom fast produziert. Röttgen dagegen möchte über längere Laufzeiten nur im Rahmen der Gespräche über ein Energiekonzept entscheiden.

Tatsächlich könnten die Atombetreiber ihr akutes Problem auch ohne Soforthilfe der Politik lösen – indem sie das nicht genutzte Stromkontingent des bereits 2003 abgeschalteten Reaktors Stade, knapp 4,8 Milliarden Kilowattstunden, auf die beiden Kernkraftwerke verteilten. Stattdessen attackieren RWE und Co. das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel, Deutschlands Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken. Röttgen dagegen erklärt glasklar, dass er davon nicht zu lassen gedenke.

Kategorischer denn je lehnt schließlich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die von Ökoverbänden und Oppositionsabgeordneten, aber auch von Unionspolitikern wie dem früheren Umweltminister Klaus Töpfer erhobene Forderung ab, die EU solle, ohne Bedingungen an andere Länder zu stellen, ihr Emissionsziel verändern: minus 30 statt minus 20 Prozent. Röttgen machte sich Ende vergangener Woche beim EU-Umweltministerrat in Sevilla immerhin dafür stark, dass die Europäer ihre Entschlossenheit zum Klimaschutz dokumentieren, indem sie dieses weiter reichende Ziel künftig in allen Verlautbarungen in den Vordergrund stellen. Ihre endgültige Entscheidung muss die EU in Kürze bekannt geben.

Die Zeichen stehen so oder so auf Sturm.