Bankenfusionen haben positive und negative Folgen. Die gute Nachricht: Von dem Aufkauf der Dresdner Bank durch die Commerzbank im vergangenen Mai werden jetzt nicht nur Aktionäre und Manager, sondern auch ein Auktionshaus und mehrere deutsche Museen profitieren. Die Dresdner Bank hatte über die Jahrzehnte eine 3000 Werke umfassende Kunstsammlung aufgebaut. Das wichtigste Werk stand gut sichtbar in der Empfangshalle der Dresdner Bank in Frankfurt: ein Schreitender Mann von Alberto Giacometti aus dem Jahr 1961.

Der Mann ist 1,83 Meter groß, selbstverständlich mager geknetet und schreitet mit klumpigen Füßen weit aus, der Oberkörper ist nach vorn gebeugt, so als müsse er gegen einen starken Wind, einen Sturm anlaufen. Es ist eine von Giacomettis berühmtesten Skulpturen, insgesamt sechs Abgüsse gibt es von L’Homme qui marche I . Millionen von Menschen kennen die Figur außerdem von der Schweizer 100-Franken-Note, auf der sie abgebildet ist.

Als die Dresdner Bank 1980 die Skulptur kaufte, ging es den Banken noch prima. Jetzt, in der Krise, könnte man diesen Giacometti-Mann vielleicht als Symbol für die schwierige Lage deuten. Die Commerzbank jedenfalls will die Skulptur nicht in ihr Foyer stellen, Sotheby’s darf sie am 3. Februar in London versteigern. Die Experten haben die Bronze auf 12 bis 18 Millionen Pfund geschätzt.

Der Erlös soll allerdings nicht irgendwelche Verluste aus Kreditgeschäften wettmachen, er wird komplett an die Stiftungen der Commerzbank und an ausgewählte Museen für Restaurierungsprojekte fließen. Wer wie viel bekommt, ist noch unklar. Einhundert andere Kunstwerke aus der Sammlung Dresdner Bank sollen zudem als Leihgaben an die großen Museen in Frankfurt, Dresden und Berlin gehen, das Städel Museum etwa darf sich auf einen Goethe von Andy Warhol freuen, das Museum für Moderne Kunst auf eine Arbeit von Dan Flavin. Noch mehr hätten sie sich vielleicht über den Giacometti gefreut.

Zu den negativen Folgen der Fusion zählt, dass Tausende Angestellte arbeitslos werden. Vielleicht profitieren aber auch einige von ihnen vom Giacometti-Verkauf. Eine Stiftung der Commerzbank kümmert sich nämlich um in Not geratene Mitarbeiter.