Der Münzwäscher: Rob Holsen,64, The Westin St. Francis Hotel, St. Francisco

Geldwäsche hat bei uns im St. Francis eine lange Tradition: Seit 1935 geht hier am Union Square kein Penny über den Tresen, den wir nicht vorher blitzblank gewaschen hätten. Früher fand in unserem Spiegelsaal jeden Montag zum Lunch eine Modenschau statt, zu der die Ladys der Stadt kamen. Sie trugen weiße Handschuhe, und die wurden leicht schmutzig, wenn sie an der Bar das Wechselgeld entgegennahmen. Also ordnete der damalige Hoteldirektor an, die Münzen waschen zu lassen. Und dabei ist es bis heute geblieben.

Ich bin jetzt seit neun Jahren der offizielle Münzwäscher des Hauses und habe rund 700.000 Dollar gesäubert. Mein Vorgänger Arnold war vierzig Jahre im Amt. In dieser Zeit hat er ungefähr acht Millionen Dollar gewaschen – früher wurden ja viel mehr Münzen verwendet. Aber die Leute, die heute meist mit Handys telefonieren und mit Kreditkarten bezahlen, sind immer noch angenehm überrascht, wenn sie mal so ein blankes Geldstück in die Hand bekommen.

In manchen Wochen wasche ich fast 5000 Dollar, das meiste davon in 25-Cent-Stücken. Ein kompletter Waschgang dauert knapp sechs Stunden. Wir benutzen dafür eine mechanische Silberpoliermaschine aus dem Jahr 1934, heißes Wasser und Borax-Handseife, die es seit 1894 gibt und in jeder Drogerie zu haben ist. Sie eignet sich einfach am besten. Die Maschine sieht aus wie eine längliche Waschmaschine, mit einer Trommel. Sie arbeitet drei Stunden und macht dabei einen grauenvollen Lärm. Deshalb haben wir sie, weit weg von den Gästen, in einem schallisolierten Raum aufgestellt. Anschließend spüle ich die Münzen und lege sie zum Trocknen unter eine Wärmelampe, bevor sie in einer Maschine von 1925 sortiert und aufgerollt werden.

Ich bin jetzt 64 Jahre alt und arbeite seit 36 Jahren im St. Francis. Damals, 1973, habe ich als Lehrling an der Rezeption angefangen, inzwischen leite ich das Business-Center und kümmere mich um die Münzwäsche. Ich möchte das noch mindestens vier Jahre lang machen. Und bevor ich in Rente gehe, arbeite ich meinen Nachfolger ein. Denn ich bin überzeugt davon: Solange es in den Vereinigten Staaten Münzen gibt und solange es das St. Francis gibt, werden wir hier unser Geld waschen!