Mit 19 Jahren war sie blond, schön und – schon berühmt. Wenngleich man sagen muss, dass sie ihre eigene kreative Lebensleistung eigentlich erst später entfaltete. Aber dass sie ganz sicher kein alltägliches Leben führen würde, das hatte man ihr in die Wiege gelegt. War doch ihre ganze Familie eine Ansammlung eigensinniger, ungewöhnlicher, wagemutiger Leute. Ihr Großvater etwa hatte verhindert, dass seine jüdische Ehefrau den Davidstern tragen musste, indem er zur Gestapo in Wien stiefelte und sich lauthals beschwerte. "Was soll dieser Unsinn?", soll er gebrüllt haben – und als sich herausstellte, dass der Gestapochef unter ihm, dem Ex-Oberst, im Ersten Weltkrieg als Fähnrich gedient hatte, fügte er angeblich hinzu: "Wenn ich gewusst hätte, was aus Ihnen werden würde, hätte ich Sie damals im Schützengraben erschossen."

Auch ihr Vater, ein Spion, tickte ähnlich. "Er muss ein sehr guter Spion gewesen sein, denn er wurde nie erwischt", erinnert sich die Tochter. Sein Glück war wohl, dass er fast alle europäischen Sprachen akzentfrei sprechen konnte: "Man setzte ihn mit dem Fallschirm hinter den feindlichen Linien ab…, damit er sich unter die Einheimischen mischen konnte."

Und dann erst ihre Mutter, die Tänzerin: "Eine der Leitlinien … meiner Mutter war, dass Frauen tun sollten, was sie tun wollen, ihren Träumen und ihrem Herzen folgen und nicht einfach … Beiwerk ihrer Männer sein sollten." Sie habe Kostüm- und Bühnenbildner, Maler, Tänzer, Prostituierte und Schriftsteller als Freunde gehabt und "auch ein oder zwei sehr reiche Liebhaber". Unglücklicherweise tötete sie einen Menschen in Notwehr, weil sie ihrer Mutter – ebenjener jüdischen Großmutter – die Vergewaltigung durch russische Soldaten am Kriegsende ersparen wollte. Die Tat veränderte ihr Leben. Sie fühlte sich schuldig, flüchtete in religiöse Einkehr und in den Alkohol, was die Familie schließlich auseinandertrieb.

Was für Geschichten! Ganz sicher erklären sie zum Teil den Werdegang der Tochter, die – zu Recht – heute als Diva gilt. Nur: Erklären sie auch ihren Hang zur Selbstzerstörung? Gegen den kämpfte sie lange Jahre an, ein harter Job wohl auch für den wahrlich fantastischen Schutzengel dieser Familie.

Erstaunlich also, wie vital die Künstlerin heute daherkommt. Fast möchte man sagen, dass sie fitter wirkt als damals als junge Frau. Und das hat seinen Grund: "Mir bleibt nichts anderes übrig, als ein wenig entschuldigend zu sagen, dass ich fast alle meine schlechten Angewohnheiten aufgegeben und sogar ein paar gute angenommen habe", schreibt sie im zweiten Teil ihrer Autobiografie, der unlängst erschienen ist. Und: "Es sieht ganz danach aus, als könnte ich die nächsten zwanzig Jahre auch noch hier sein. Also spar ich mal lieber was."

Da blitzt sie auf, ihre Selbstironie, und man beginnt zu ahnen, dass es wohl auch dieser Mutterwitz war, der sie beschützt hat. Solange jemand noch über sich selber lachen kann, so lange ist er nie ganz verloren. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 3:
Zarathustra (Zoroaster) lehrte wohl an der Wende vom 7. zum 6. Jahrhundert v. Chr. einen Dualismus von Gut (Ahura Mazda/Ohrmazd, der Schöpfergott) und Böse (Ahreman, der "übel riechende" Gott). Geboren wurde er wahrscheinlich im persischen Großreich der Achämeniden. Im Alter von 77 Jahren wurde er ermordet. Historische Spuren Zarathustras sehen Forscher in den 17 Gathas (Verspredigten) der altiranischen "Avesta". Zu seiner Lehre bekennen sich etwa 150.000 Anhänger weltweit. Nietzsche machte ihn in "Also sprach Zarathustra" zum Kritiker der christlichen Moral