Der Ärger über Modewörter tröstet sich gerne mit der Formel, dass sie wieder verschwinden. Das tun sie auch. Mit ihnen verschwindet aber nicht notwendig die Sache, die sie bezeichneten. Die "Impertinenz", die zum Sprachschatz der Großeltern gehörte, ist zwar erloschen, nicht aber die Unverschämtheit der Leute. Möglicherweise wächst die Zahl impertinenter Personen stetig, seit man sie nicht mehr als solche benennt. Sie gedeihen im Rücken der Sprache, wahrscheinlich Seit’ an Seit’ mit den "Indolenten", die in ihrer Faulheit auch nur mit diesem altmodischen Wort richtig bezeichnet werden konnten. Anders die "Intransigenten", sie sind in ihrer heroischen Unerschütterlichkeit zusammen mit dem Modebegriff aus dem Spanischen des 19. Jahrhunderts ausgestorben. Das ist bitter. Etwas Intransigenz, vor allem bei Politikern, wäre sehr erfrischend. Stattdessen, so weit das Auge blickt, nur impertinente Wendigkeit und moralische Indolenz.

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