1. Barack Obama will die großen Banken zerschlagen. Ehrlich?

Na gut, die Schlagzeilen in der vergangenen Woche klangen etwas dramatisch. Nach Obamas Vorstellungen sollen Banken, die Spareinlagen von Kunden verwalten, nicht auch noch auf eigene Rechnung an den Kapitalmärkten spekulieren. Solche Banken dürften dann auch kein Geld mehr an Hedgefonds oder Private-Equity-Gesellschaften verleihen. Finanzinstitute müssten sich also künftig entscheiden: entweder Konten führen und Kredite vergeben oder Investmentgeschäfte betreiben. Das könnte zu einer Aufspaltung führen. Die Deutsche Bank ist derzeit in beiden Feldern aktiv, ebenso die Wall-Street-Häuser Goldman Sachs und JP Morgan. Kein Wunder, dass das Finanzgewerbe gegen die Pläne Sturm läuft.

So etwas gab es schon einmal: Kredit- und Kapitalmarktgeschäft wurden in den USA nach dem Börsencrash von 1929 getrennt. 1999 wurde dieser sogenannte Glass-Steagall Act dann aber wieder aufgehoben. In der Folge bildeten sich gewaltige, global tätige Finanzkonglomerate, deren Fehlspekulationen die gesamte Wirtschaft mitreißen können. Im Zuge der Krise wurden viele Banken sogar noch größer, da sie von den Behörden mit schwächeren Häusern zwangsfusioniert wurden, um deren Pleite zu verhindern.

Obamas Ziel ist es, das Finanzsystem durch eine klare Arbeitsteilung stabiler zu machen: Banken, die zocken wollen, müssen auf Privilegien wie den Zugang zu Zentralbankgeld oder die Einlagensicherung verzichten. Wenn sie sich am Kapitalmarkt verspekulieren, so die Hoffnung der amerikanischen Regierung, könnte der Staat sie wie ganz normale Unternehmen behandeln und in einer Notlage ganz einfach bankrottgehen lassen. Das Kreditgeschäft und die Kundeneinlagen wären ja abgeschirmt, die Folgeschäden für die Wirtschaft damit begrenzt.

Auf diese Weise würde der Steuerzahler geschützt – und zugleich die Gefahr verringert, dass die Banken im Vertrauen auf eine staatliche Rettung zu hohe Risiken eingehen. Eine Nebenwirkung: Die Banken würden kleiner – damit würde die Marktmacht der Finanzkonzerne eingeschränkt. Größenbeschränkungen soll der Staat nach dem Willen Obamas aber auch unabhängig von der Trennung der Geschäfte erlassen können.