Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte sind sie leid: eine Schulpolitik, die von fruchtlosen Debatten und einem immer rascheren Hin und Her geprägt ist.

Den Ländern muss es in gesamtstaatlicher Verantwortung endlich gelingen, sich jetzt auf einen Konsens zum Aufbau eines zweigliedrigen weiterführenden Schulsystems in Deutschland zu verständigen. Andere föderal organisierte Staaten haben uns vorgemacht, dass das geht.

So wie bisher geht es jedenfalls nicht weiter: Neue politische Konstellationen und programmatische Neuorientierungen bringen in immer rascherer Folge neue Reformen. Was bleibt, sind Halden voller Reformstückwerke und entwerteter Orientierungen. Und genau da liegt unser Problem.

Über die wichtigste Gelingensbedingung von Schulreformen besteht aber kein Zweifel: Veränderungen im Bildungssystem brauchen Zeit, viel Zeit – und während dieser Zeit Verlässlichkeit in der Orientierung und in den Rahmenbedingungen.

Bildungsreformen müssen vor allem dann so angelegt sein, wenn es nicht nur um die Veränderung äußerer Strukturen geht, die ja kein Selbstzweck sind, sondern um eine veränderte Pädagogik, um Veränderungen des tief verwurzelten Bewusstseins der Beteiligten und die Veränderung eingefahrener Handlungsroutinen. Dass das mit dem demokratischen Prozess regelmäßiger Wahlen schwer unter einen Hut zu bringen ist, wenn die politischen Konstellationen immer häufiger wechseln, liegt auf der Hand.

Diese immer wieder zu beobachtende Logik des politischen Prozesses bleibt nicht ohne Folgen für die generelle Reform(un)fähigkeit des Schulsystems. Eine unvollendete Reform folgt der anderen. Die Absichten und Richtungen sind oft widersprüchlich, jedenfalls unstet. Klare Orientierung und Verlässlichkeit sind bei diesem sich immer wieder selbst entwertenden Reformübermaß für die Akteure im Schulsystem kaum mehr erkennbar.

Aufwand und Ertrag stehen aus ihrer Perspektive in keinem gesunden Verhältnis. Diejenigen, die sich für die letzte Reform engagiert haben, fragen sich jetzt, wofür sie das getan haben. Und diejenigen, die sich auch dieser Reform verweigert haben, sehen sich bestätigt. Wer wollte es da den Betroffenen verdenken, dass sie in Attentismus verfallen. Das bewusste Aussetzen von Aktivitäten wird geradezu belohnt.