40 Jahre World Economic Forum, 40 Jahre Wachstum, das selbst das chinesische mager aussehen lässt: von 30 auf 3000 Gäste in dieser Woche, knapp 10.000 Prozent. Leider wurden damals keine Aktien ausgegeben; die wären heute mehr wert als die von Google. Was es sonst noch zu berühmen gibt? Diverse Filialbetriebe – Regionalforen –, die sich von Nahost bis nach China erstrecken; dazu ein International Media oder ein Global Agenda Council. Es fehlen nur noch die T-Shirts und Kappen mit dem Logo drauf.

"Committed to Improving the State of the World" würde draufstehen, das offizielle Motto: "Der Verbesserung der Welt verpflichtet". Hat das WEF das in seinen 40 Jahren geschafft? Wie sollte es? Ein "Forum" ist kein Weltverbesserer; das ist die Arbeit der heavies wie Internationaler Währungsfonds oder UN. Das Motto müsste eigentlich lauten: "Dem besseren Denken verpflichtet". So hat das Forum auch begonnen – mit 30 Menschen im Schnee, die in harter Arbeit Ideen und Einsichten tauschten.

Geschadet hat das Verbesserungsdefizit nicht. Alle Welt will heute irgendwo ein neues "Davos" unter eigener Regie gründen, aber die Marke, die Klaus Schwab vor 40 Jahren etabliert hat, lässt sich nicht kopieren. Winner keeps all…

Dieser fabelhafte Erfolg ist das Problem. Wenn alle Welt auf die Davoser "Promenade", die Hauptstraße, drängt, muss die Welt akkommodiert, kann sie nicht perfektioniert werden. Noch ein Plenum, noch ein Seminar, und dabei muss es vor allem friedlich zugehen. Nur manchmal, wie 2009, durchkreuzt jemand die Rechnung – wie der türkische Premier, der auf offener Bühne (verbal) über den israelischen Präsidenten herfiel. Ansonsten geht es sehr gesittet zu; die Debatten sollen bitte nicht so scharf sein, dass sie Blessuren schlagen.

Das soll auch nicht die Schärfe des Protests. Vor einigen Jahren war der Samstagnachmittag traditionsgemäß der Straßenschlacht gewidmet: hier im Kampfanzug die Polizisten aus der ganzen Schweiz, dort die Kapitalismus- und Globalisierungsfeinde. Vorbei. Das WEF hat sie einfach kooptiert. Jetzt dürfen sie im Kongresszentrum mitmischen und vom Buffet zehren.

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So viel Frieden hat seinen Preis: das Nebeneinander von gleich drei WEFs. Im Kongresszentrum läuft das offizielle Programm ab, respektvoll und unbedenklich. In den Hotels massieren sich im "zweiten WEF" Dutzende von private dinners und lunches. Am Tisch ist man unter sich; da legen die Weltgrößten die Krawatte ab, da fliegen auch mal die Fetzen. Und man lernt Neues und Aufregendes. So muss es früher auch im Saal gewesen sein.

Dazwischen das "dritte WEF" – Hunderte von Empfängen mit leichtem Geplauder und schwerem Buffet, bis in die tiefe Nacht hinein. Alt-WEFer wie dieser Autor haben einen Traum. Irgendwo in den Katakomben des Kongresszentrums müsste ein fensterloser Raum reserviert sein, wo sich wieder 30 Menschen, jeden Tag andere, zum schweißtreibenden Match treffen: ungeschützt und unzitiert. Das wäre das "vierte WEF". Denn nirgendwo in der Welt kommt so viel Talent, Wissen und Witz in so geballter Form zusammen wie im Schatten des "Zauberbergs".