Wo stehen wir, nachdem der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad jüngst verlauten ließ, er brauche zehn weitere Kernreaktoren zur Stromerzeugung?

Zunächst einmal ist gegen die Erzeugung von Strom nichts einzuwenden. Die Pläne, dafür Reaktoren zu bauen, stammen übrigens noch aus der Zeit des Schahs, und zwar aus den letzten Jahren seiner Amtszeit. Er war der Überzeugung, dass Öl unter der Erde eines Tages erheblich mehr wert sein würde als Dollar auf dem Bankkonto – mit Recht, wie sich später herausstellte.

Zu jener Zeit waren der Schah und die USA enge Verbündete. Die Reaktoren sollten Milliarden in die Taschen von Industriellen aus Amerika und anderen westlichen Nationen spülen. Das ist ein Grund dafür, dass sich nur wenige Gegenstimmen erhoben. Ein weiterer Grund war, dass man plante, einige Reaktoren in der Nähe des Kaspischen Meers aufzustellen, nur um die Sowjets zu provozieren.

Seitdem ist eine Menge Wasser den Shatt al-Arab hinab geflossen, den großen Fluss, der Iran vom Irak trennt und in den Persischen Golf mündet. Seit 2001 hat sich Irans strategische Situation radikal verschlechtert. Wo auch immer die Mullahs hinschauen, nach Westen in Richtung Irak, nach Nordosten in Richtung Zentralasien, nach Osten in Richtung Afghanistan oder nach Süden in Richtung Golfregion – überall sind sie umzingelt von den Soldaten der einzig übrig gebliebenen Weltmacht Amerika.