Wenn in Kinshasa mal wieder der Strom ausfällt, macht das kaum einen Unterschied. Nicht nur, weil auf der Straße das Licht weiterbrennt – die Schlaglochpisten, auf denen rostige Sammeltaxis kurven, werden von Petroleumlampen erleuchtet. Sondern auch, weil die Musik keinen Beat lang aussetzt. Aus Hinterhöfen dröhnen die Trommeln der lokalen Pfingstkirchen; Kofferradios lassen Gitarrenklänge in den Nachthimmel schallen, Autobatterien speisen die elektrischen Rückkopplungen traditioneller Fingerklaviere. Es ist der Klang einer so lebensmutigen wie kaputten Megacity, der Hauptstadt der geschundenen Demokratischen Republik Kongo.

Hier gibt es Gruppen wie die Kasai Allstars und Konono No 1. In den Freiluftbars der Stadt dröhnt Abend für Abend das Brummen, Scheppern, Zirpen ihrer Likembes. So heißen die Fingerklaviere, deren Eisenlamellen meist aus alten Autofedern zurechtgeschmiedet werden und die sich in Kinshasa als Träger durchdringender Basslinien und Obertöne durchgesetzt haben – nachdem sie mit Boxentürmen aufgerüstet worden sind. Europäische Plattenfirmen vermarkten die Likembe-Orchester inzwischen unter dem Stichwort "Congotronics". Tatsächlich verdichten sich in der richtigen kollektiven Taktung die Schnarrgeräusche zur musikalischen Trance. Zum handgemachten Techno. Zu einer urbanisierten Geisterbeschwörung, die in der drittgrößten Stadt Afrikas ländliche Traditionen mit westlichem Elektroinstrumentarium mischt.

Jüngster Exportschlager des kongolesischen Bastard-Pops ist eine Truppe polio-gelähmter Musiker: Staff Benda Bilili. Auf selbst gebastelten Gitarren und umfunktionierten Töpfen spielten sie bisher meist vor örtlichen Restaurants für ein bisschen Wechselgeld und verkauften nebenbei Waschpulver und Zigaretten. Nun ist ihr eigenwilliger, auch mal James Brown zitierender Rumba-Swing erstmals auf Platte gebannt worden. Kürzlich pilgerte Damon Albarn für eine Jamsession mit ihnen nach Kinshasa. Hier habe er, so der britische Rockstar, eine Improvisationslust angetroffen, die den westlichen Pop gründlich verjüngen könnte.