Was ist die Botschaft von Davos? Die Frage kommt berechtigterweise jedes Jahr auf, nachdem sich die Topmanager der Welt mit Politikern und Wissenschaftlern fünf Tage lang auf dem World Economic Forum getroffen haben. Die Antwort war angesichts vieler Unsicherheiten – Geht es den Banken an den Kragen? Bricht die Konjunktur wieder ein? Bleibt der Klimaschutz stecken? – selten so schwierig, aber auch selten so interessant.

Das Treffen der vergangenen Woche war alles andere als eine Globalisierungsfeier. Alle Versuche, die Krise für beendet zu erklären und "wieder nach vorne zu schauen", verhallten im Nu. Auf den großen Podien, an den Treffpunkten des Kongresszentrums, in den Dinnerrunden trat es deutlich zutage: Die Krise fordert noch auf Jahre ihren Tribut, und jetzt wird darum gerungen, wer ihn entrichten muss.

Dabei geht es nicht bloß um Banker, es geht um die Wirtschaft insgesamt. Indra Nooyi, die indische Chefin des amerikanischen Pepsi-Konzerns, ist eine Wortführerin von Davos. Vergangenes Jahr beklagte sie, dass "Wall Street" durch verantwortungsloses Verhalten "Main Street" (also den anderen Unternehmen) geschadet habe. Dieses Jahr sagte sie rundheraus, dass der Kapitalismus sich infolge der Krise erheblich wandeln müsse.

Langfristig statt kurzfristig müsse die Wirtschaft nun handeln, allen Gruppen statt nur den Aktionären dienen und statt dem reinen Markterfolg auch den Daseinszweck der jeweiligen Firma im Auge behalten. "Es wird einen neuen Kapitalismus geben", rief sie etwa 1000 Kollegen zu. "Kapitalismus 2.0 oder 3.0 oder so. Jedenfalls wird er anders sein als bisher."

Als Chef von Google und Berater von Barack Obama hat Eric Schmidt mit seinem Wort ebenfalls Gewicht. Bald müsse sich entscheiden, woher künftig das Wachstum komme, erklärte er – wieder aus dem Hin- und Herschieben großer Geldmengen oder aus echter, werthaltiger Innovation. Und es war allzu klar, wofür er wäre.

Nooyi, Schmidt und Co. sind alles andere als Gutmenschen, sie haben aber das starke Gefühl, der Finanzkapitalismus samt seiner Kapitalmarktdenke dürfe die Wirtschaft nicht mehr dominieren. Erstens, weil diese Art zu wirtschaften höchst instabil ist, zweitens, weil die eigenen Mitarbeiter sich nicht nur in den Dienst von Quartalsgewinnen stellen wollen, und drittens, weil die Gesellschaft das nicht viel länger akzeptieren würde.

Berater und Forscher bestätigten in Davos die Botschaft. Zwei Experten der Boston Consulting Group etwa haben gerade in einem Buch dargelegt, wie sich Unternehmen in den nächsten Jahren verhalten sollten. David Rhodes und Daniel Stelter glauben, dass die Wirtschaft nach der Krise nur langsam wachsen wird – also müssten die Unternehmen zwar aggressiv um Marktanteile kämpfen, aber im veränderten sozialen Klima auch fair gegenüber den Mitarbeitern und den Bürgern sein. Sich anständig zu verhalten werde für Unternehmen auch deshalb wichtig, weil die Regierungen nun mehr regulierten und auch einen größeren Teil der Aufträge an die Wirtschaft vergäben. Es gehört demnach zur Strategie für die nächsten Jahre, es sich mit dem Staat und der Gesellschaft nicht zu verderben.