Das Jahr 2010 nach Christus: Der menschliche Körper ist bis ins letzte Gen erforscht. Der ganze menschliche Körper? Nein! Ein kleines Fleckchen leistet der anatomischen Entzauberung Widerstand: der G-Punkt. Seit Jahren debattieren Sexualforscher darüber, ob diese besonders erogene Zone überhaupt existiert. "Es gibt sie nicht", entschied man im November am Londoner King’s College. Worauf französische Gynäkologen vergangene Woche ein zweitägiges Gegen-Kolloquium veranstalteten. Unterton: Wenn sich hier jemand mit Sex auskennt, dann ja wohl wir!

Die Briten hatten 1804 Frauen – ausschließlich Zwillinge – befragt, ob diese "glauben", einen "sogenannten G-Punkt" zu haben. 56 Prozent antworteten mit Ja. Woraus die Autoren schlossen, dass der Punkt nicht existiere. Warum? Weil sich die Antworten ein- und zweieiiger Zwillinge statistisch nicht unterschieden. Der G-Punkt habe demnach keine genetische Grundlage und sei schlicht ein "Hirngespinst". Was antwortet Frankreich? Der G-Punkt werde erst durch Stimulation aktiv, erklärte der Pariser Gynäkologe Sylvain Mimoun. Ein Drittel aller Frauen wisse einfach noch nicht, dass es ihn gebe.

Die britische Studie wurde übrigens von einer Frau geleitet.

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