Noch vor den aufmüpfigen sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat es in der deutschen Literatur rumort. Max Bense, der Stuttgarter Philosoph und Wissenschaftstheoretiker, dessen Geburtstag sich am 7. Februar zum hundertsten Male jährt, galt zu Lebzeiten als das Enfant terrible seiner Zeit. Nach einer offenen Gesellschaft strebend, bekämpfte er die "metaphysische Gemütlichkeit" der Deutschen.

Mit Elisabeth Walther gründete er 1955 die Zeitschrift augenblick, in der er dem deutschen Nivellement das "Zeichen eines neuen Seins" entgegensetzte. Seine Schlagworte sind Polemik und Opposition, sein Leitbegriff lautete "Experiment", der sich rasch auch als Richtschnur einer neuen Dichtkunst erwies.

In seiner "Stuttgarter Schule" fanden sich junge Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die im Namen der sogenannten konkreten Poesie Sprachversuche unternahmen. Wir erprobten, ob Wörter in neuen Zusammenhängen sinnvolle Erkenntnisse erzeugen konnten. Die präzisen Vergnügen (1964), Die Zerstörung des Durstes durch Wasser (1967), Nur Glas ist wie Glas (1970) heißen einige Titel von Benses Textbüchern.

Im Monolog der Terry Jo im Mercey Hospital (1963) verkündete er seine dichterische Absicht: "Bloß die Namen sind real. Die anderen Wörter sind es nicht." Bense spielt mit den Wörtern und verliert dennoch die enge Beziehung zu dem, was sie bezeichnen, nicht aus dem Blick: "Die Wirklichkeit der Namen in der Unwirklichkeit dessen, was die anderen Wörter bezeichnen, verstärkt wie jede Genauigkeit den Geruch des Seienden."

Seine Sprachmacht war zugleich Sprachspiel, stets verbunden mit ungewöhnlichem Sprachwitz. Benses Textbücher sind nicht nur Sammlungen wissenschaftlicher Schriften, in denen es von damals völlig neuen Begriffen wie Kybernetik und Logistik wimmelt. Der Stuttgarter Ordinarius einer Technischen Hochschule entpuppte sich als Lehrmeister einer Dichterschule. Als er Mallarmés Einsicht, ein Gedicht entstehe nicht aus Gefühlen, sondern aus Wörtern, zu der These verschärfte, Poesie entfalte sich nicht aus spontanen Herzensergießungen, behielt er sein Ansehen als konsequenter Lehrmeister der konkreten Poesie.