Ist es ein Schiff, das da vor Anker ging? Ein Dampfer, dessen Brücke und Reling hinter dem Hügel vorspitzen? Taucht gar ein U-Boot aus dem Voralpensee auf? Am Ende ist es doch ein fester Bau, ein Museumshaus, das sich den Park hinab zum Wasser streckt.

Innen aber geht die Verwirrung weiter. Da stolpert man von den Kultmasken Afrikas in den Laubsägezirkus Buffi, javanische Puppen wechseln mit herrgottsheiligen Ikonen, dann und wann ein weißer Elefant und dazwischen grandiose Malerei: die zuckenden, leuchtenden Energiefelder des deutschen Expressionismus.

Das Buchheim Museum bei Bernried am Starnberger See ist alles gleichzeitig: Schiff, Zirkus, Kunsttempel und Denkmal des eigenwilligen, 2007 verstorbenen Lothar-Günther Buchheim. Der studierte Maler, durch Das Boot weltbekannte Autor und Weltkriegs-Marineoffizier gab gern den seebärbeißigen Exzentriker. Seine Schimpftiraden ließen kaum vermuten, wie stark sich Buchheim seit den Fünfzigern als Galerist für die Expressionisten einsetzte, welche klugen Bücher er über sie schrieb. Nebenher trug er eine wichtige Sammlung zusammen, mit fantastischen Entdeckungen wie Erich Heckels Der schlafende Pechstein. Unter einer Tarnübermalung hat Buchheim das Bild hervorgekratzt!

Im ZEIT-Museumsführer stellen wir Ihnen jede Woche eines der schönsten Museen Deutschlands vor. Um alle bisher veröffentlichten Museumsführer der ZEIT aufzurufen, klicken Sie bitte auf das Bild © Stuart Franklin/​Bongarts/​Getty Images

Gründe, diese lang beargwöhnte Kunst mit derben Worten zu schützen, hatte Buchheim bis zuletzt. Nach jahrzehntelanger Suche hatte er seinen Wohnort Feldafing als Standort der Sammlung erkoren, doch die Feldafinger blamierten sich mit einem Bürgerentscheid gegen ein Museum, man fürchtete landplagenhafte Besuchermassen. Als im nahen Bernried 2001 das vom Freistaat Bayern erbaute, von Buchheims Stiftung unterhaltene Haus endlich eröffnete, hat Buchheim noch ein bisschen über den Architekten Günter Behnisch geschimpft. Nicht ganz zu Unrecht. Einerseits empfängt dessen nie auftrumpfender Bau den Besucher freundlich, schafft ohne gängelnden Besichtigungsparcours Übergänge vom Naiven zum Erhabenen, vom Kuriosen ins Virtuose. Ein jeder soll selbst die Wahlverwandtschaften der Künste entdecken. Herrliche Ausblicke auf den See gibt es, und vom weit aufs Wasser führenden Steg glaubt der Besucher zuweilen in eine Friedrichsche Stimmung zu entschweben. Andererseits, weil echte und gemalte Landschaften sich schlecht vertragen, hat man die Räume innen von der Umgebung isoliert. Zu kühl und mehrzweckhallenartig wirkt insbesondere der Hauptsaal der Expressionisten.

Dennoch erfüllt das Haus seinen aparten Zweck, verschiedenste Kunstwelten zu vereinen. Eine Großsammlung mit Max Pechstein, Otto Mueller, Emil Nolde, mit Werken Schmidt-Rottluffs, Beckmanns, Dix’ hätte jedem anderen als Lebenswerk genügt. Nicht Buchheim. Der zeigt magisch schöne indigene Masken, dazu seine psychedelischen Wegschmeiße- und Immerwiederwechsel- Plakate und fröhliche Neovolkskunst wie die Hölzernen Menschen und Viecher des Hans Schmitt. Ein Sammelsurium kreativer Grenzfälle, die wohl manchen Kunstfreund auf die Probe stellen.