Der letzte Flug eines Spaceshuttles ist für September geplant, danach werden Nasa-Astronauten nur noch mit fremden Raketen ins All starten können. Das von George W. Bush angeordnete Constellation-Programm zur Entwicklung einer neuen Rakete und Raumkapsel für den bemannten Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) und dann weiter zu Mond und Mars wird ersatzlos gestrichen. Neun Milliarden Dollar sind bereits dafür ausgegeben worden. Die Kündigung aller Verträge kostet noch einmal 2,5 Milliarden.

Privatisieren und Sparen lauten die neuen Ziele der amerikanischen Weltraumpolitik. "Der bisherige Weg hätte uns nicht zum Mond zurückgebracht", stellte Nasa-Chef Charlie Bolden bei der Vorstellung seines Etats für 2011 fest. Statt einer eigenen Rakete sollen die Nasa-Ingenieure in den nächsten Jahren neue, sparsame und schnellere Antriebstechnologien entwickeln, mit denen ein Flug zum Mars nur Wochen statt eines knappen Jahres dauert. Neben Mond und Mars peilt Bolden auch erdnahe Asteroiden oder einen Marsmond als Ziel bemannter Missionen an. Wegen ihrer geringen Schwerkraft würde die Rückkehr zur Erde wesentlich weniger Treibstoff benötigen.

Den Astronautentransport in den Erdorbit und zur ISS sollen Privatfirmen übernehmen. Mit sechs Milliarden Dollar will die Nasa deren Entwicklungskosten in den nächsten fünf Jahren unterstützen – und nur noch darauf achten, dass den Privaten dabei keine schwerwiegenden Fehler unterlaufen. "Die privaten Raumfahrzeuge werden sicher sein. Dafür gebe ich Ihnen mein Wort", versichert Bolden, der selbst viermal mit einem Shuttle im All war.

"Das ist so, als hätte Charles Lindbergh schon 1920 – vor seinem ersten Transatlantikflug – versucht, Jumbos an Pan Am zu verkaufen", lästerte Boldens Vorgänger Michael Griffin gegenüber der Washington Post. Tatsächlich hat es weltweit erst ein einziges von einer privaten Firma entwickeltes Raumfahrzeug in die Erdumlaufbahn geschafft. Im September 2008 setzte die von PayPal-Gründer Elon Musk finanzierte Minirakete Falcon I nach drei Fehlstarts eine Satellitenattrappe im Erdorbit ab. Ein weiterer erfolgreicher Start folgte im vergangenen Juli. In diesem Jahr will Musk seine wesentlich stärkere Falcon IX testen. Bereits im Dezember 2008 hatte die Nasa zwölf Flüge dieser Rakete für den Materialtransport zur ISS bestellt – für 1,6 Milliarden Dollar. Damit ist der Privattransport ins All nicht billiger als mit langjährig erprobten russischen oder europäischen Raketen.

Über den Erdorbit hinaus plant die Nasa keine nationalen Alleingänge mehr. "Wenn wir auf den Mond zurückkehren, dann nur mit wirklich neuer Technik und internationalen Partnern", versprach Boldens Stellvertreterin Lori Garver bei der Etat-Vorstellung. Ob sie mit "Partnern" auch die chinesische Raumfahrtagentur meint, die derzeit als einzige ernsthaft einen bemannten Mondflug plant, ließ Garver offen.

Die französische Raumfahrtagentur hatte im vergangenen Jahr in einer Studie gezeigt, wie eine modifizierte europäische Ariane-Rakete amerikanische Raumkapseln ins All bringen könnte. Die Machbarkeit ist weniger eine technische Frage als eine sicherheitspolitische. Bisher sind solche Gedankenspiele an den strengen amerikanischen Hightech-Exportbeschränkungen gescheitert.