Welche Vorteile bringt ein Internatsbesuch im Ausland?

Schüler, die mindestens ein Jahr im Ausland verbringen, beherrschen die Fremdsprache danach meist fließend. Sie werden selbstständiger und selbstsicherer. "Darüber hinaus können die erworbenen kulturellen Kompetenzen ein Pluspunkt für spätere Bewerbungen oder ein internationales Studium sein", sagt Internatsberaterin Alexandra von Bülow von Bülow & Partners, Oxford. Das wüssten immer mehr Eltern zu schätzen, die mit dem deutschen Schul- und Unisystem unzufrieden seien. Geeignet ist ein Internatsaufenthalt auch für diejenigen, deren sportliche oder musikalische Talente zum Beispiel an einer bestimmten Privatschule im Ausland besser gefördert werden können; oder für solche, denen der Abstand zum Elternhaus hilft, Verantwortung zu übernehmen und den Sinn des Lernens neu zu begreifen.

Welche Länder eignen sich?

Englischen Internaten sagt man hierzulande noch immer die längste pädagogische Tradition und ein hohes Maß an Disziplin und sozialer Kompetenz nach. "Die Familien, mit denen wir zusammenarbeiten, loben vor allem die dortigen Lehrer", sagt Alexandra von Bülow. Sie verstünden sich als "Personal Coach" und nähmen die Belange jedes einzelnen Schülers überaus wichtig. Besonders angesehen sind auch die Schweizer Internate: "Ihr akademisches Niveau hat sich sehr verbessert, die Internationalität ist einmalig", sagt Detlef Kulessa von der Internatsberatung Töchter und Söhne. "Allerdings sind sie auch besonders teuer." Außerhalb Europas entscheiden sich Schüler vor allem für die USA, Kanada, Australien und Neuseeland. "Wer ein Studium in Übersee plant, hat durch einen Schulaufenthalt vor Ort später bessere Chancen an den Unis", sagt Detlef Kulessa.

Wie lange sollte der Internatsaufenthalt dauern?

An den meisten Schulen ist es möglich, sowohl einen Term (Trimester) oder ein Halbjahr als auch ein Jahr oder länger zu bleiben. Für den Spracherwerb empfiehlt sich eher ein zwölfmonatiger Aufenthalt. Und auch aus psychologischer Sicht sollte ein Jahr das Minimum sein: "Ein Internatsbesuch im Ausland bedeutet einen Sprung in eine neue Welt", sagt Familientherapeut und Internatsberater Peter Giersiepen. Bis man sich eingelebt habe, könne es schon eine Weile dauern. Auch Krisenzeiten seien normal. "Damit man trotzdem profitiert, sollte man sich ausreichend Zeit nehmen."

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Internatsaufenthalt?

Seit Schüler nur noch acht statt neun Jahre aufs Gymnasium gehen, hat sich der optimale Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt verschoben. Während sich früher die elfte Klasse dafür anbot, werden jetzt Stufe neun oder zehn dafür empfohlen – um rechtzeitig zurück zu sein, wenn die Noten ins Abitur einfließen. Gegner der Schulzeit-Verkürzung schicken ihre Kinder zweimal in die zehnte Klasse: erst im Ausland, dann zu Hause – um ihnen den "G8-Stress" nicht anzutun und ihnen den Wiedereinstieg zu erleichtern. "Der wichtigste Trend ist zurzeit jedoch der, dass die Schüler die elfte und zwölfte Klasse im Ausland verbringen und ihren Abschluss gleich vor Ort machen", sagt Hartmut Ferenschild, Geschäftsführer der LEH-Internatsberatung.

Werden die Abschlüsse anerkannt?

Das variiert: Den länderübergreifenden Schulabschluss International Baccalaureate Diploma (IB) hat die Kultusministerkonferenz inzwischen als dem Abitur gleichwertig anerkannt – allerdings nur mit einer bestimmten Fächerstruktur, über die gute Schulen und Internatsberatungen im Vorhinein informieren. In England schließt man daneben häufig mit A-Levels ab: Diese berechtigen zwar zu einem deutschen Hochschulstudium, aber nur in solchen Fachbereichen, die vorher durch Leistungskurse abgedeckt wurden. Der Abschluss eignet sich also nur für Schüler, die schon in etwa wissen, was sie später machen möchten.

US-Highschool-Abschlüsse können dagegen gar nicht mit dem Abitur mithalten: Wenn man nicht gerade im Ausland studieren will, muss man nach der Rückkehr noch zwei Oberstufenjahre dranhängen.