Natürlich kann er nicht ausschließen, dass es schwarze Schafe unter seinen Kunden gibt. Aber er glaubt nicht, dass sich auf den gestohlenen Daten-CDs, welche den deutschen Behörden vorliegen, Geheimnisse aus seinem Institut finden. Er sagt: "Schon lange raten wir unseren Kunden aktiv, einen Steuerexperten beizuziehen und ihr Vermögen zu ›normalisieren‹. Und neues Schwarzgeld nehmen wir gar nicht an. Haben wir nicht nötig." Zur Entlastung sagt Bizzozero noch etwas: "Zwei Drittel der Kunden, die wir aus der Schweiz heraus betreuen, sind sehr vermögend. Diese Key Clients haben im Durchschnitt mehr als 25 Millionen Franken auf dem Konto." Was er nicht sagt, aber wohl meint: Das sind keine mittelständischen Zahnärzte oder Handwerksmeister aus dem Ruhrgebiet, die ihr Erspartes klammheimlich am Steuervogt vorbei hier geparkt haben.

Gerade wenn der Steueraspekt künftig wegfalle, erwarte die Klientel mehr Rendite – zu tieferen Preisen. Darum seien Leistung, Talent und Kompetenz fortan gefragt, sagt Bizzozero. Der Schweizer Finanzplatz biete dazu gute Voraussetzungen. Allerdings brauche es noch bessere Rahmenbedingungen und nun vor allem aus der Politik eine multilaterale Lösung für die fiskalischen Differenzen, sei das mit einer Abgeltungsteuer, mit Amnestien oder anderen Abkommen. Denn nichts sei mobiler als das Kapital der Vermögenden.

Kein Wunder, ruft dies nach Anpassung, nach neuen Geschäftsmodellen, nach einem anderen Selbstverständnis. Gut möglich, dass der Chefwechsel bei der Deutschen Bank in der Schweiz genau dies bezweckte. Weshalb Marco Bizzozero im Mai 2009 den bisherigen CEO Hans-Jürgen Koch ablöste, beantwortet das Frankfurter Mutterhaus nur verklausuliert. Pressesprecher Klaus Winker redet von "mehr Dynamik durch Veränderung" und betont, dass Koch weiterhin in der Geschäftsleitung sitze und mit der Region Naher Osten & Afrika einen der wichtigsten Märkte für vermögende Privatkunden verantworte. Deutlicher spricht Pierre de Weck, Verwaltungsrats-Präsident der Deutschen Bank (Schweiz): "Unter Marco Bizzozeros Führung wollen wir unseren vermögenden Privatkunden das moderne, konsequent international ausgerichtete Private Wealth Management stärker zugänglich machen." Ein Hinweis darauf, dass Deutschlands größter Finanzkonzern in seinem südlichen Nachbarland zu neuen Ufern aufbrechen will. Neben dem Private Wealth Management bietet die Deutsche Bank in der Schweiz das ganze Spektrum einer internationalen Firmenkunden- und Investmentbank, und für institutionelle Anleger gibt es eine Asset-Management-Division sowie eine Anlagefondsgesellschaft.

Mit Marco Bizzozero hat Pierre de Weck einen Gewährsmann inthronisiert – schließlich arbeiteten die beiden schon früher bei der UBS in London im Private-Equity-Bereich zusammen. Von dort wechselte de Weck, der bei der UBS nie wirklich glücklich geworden war, im Jahr 2002 zur Deutschen Bank nach Frankfurt. Zwei Jahre später folgte Bizzozero dem Lockruf und heuerte bei der Deutschen Bank in Zürich an, wo er mit dem Aufbau einer Private-Equity-Plattform für vermögende Privatkunden und institutionelle Investoren betraut wurde. Das war sein Gesellenstück – fünf Jahre später winkte der CEO-Posten.

Das Geschäft in St. Moritz sei sehr gut angelaufen, sagt der CEO

Auf den neuen Chef warten noch einige heikle Aufgaben. Nachdem die Integration der Zürcher Traditionsbank Rüd Blass in den letzten Jahren eher harzig verlief, will man es nun mit der Privatbank Sal. Oppenheim besser machen. Die Marke soll bestehen bleiben, mehr will die neue Besitzerin offiziell nicht sagen, solange die Übernahme noch nicht ganz unter Dach und Fach ist. Ein offenes Geheimnis ist, dass die Reorganisation des Geldhauses aufgrund der chaotischen Verhältnisse, welche die früheren Eigner hinterlassen haben, nur langsam vorankommt.

Flexibilität kann auch bedeuten, der hiesigen Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Als der St. Moritzer Kurdirektor Hanspeter Danuser Ende Oktober 2008 von seinem Amt zurücktrat, war die Swiss Connection der Deutschen Bank zur Stelle: Sie holte Danuser für ihr Private Banking, er solle sie, wie es offiziell hieß, "vor allem darin unterstützen, potenzielle Kunden mit den Bankberatern zusammenzubringen". Und da nur wenige Personen einen derart direkten Draht zum internationalen Winter-Jetset haben wie der Bündner, standen die einheimischen Banken verdattert in der Alpenlandschaft herum.

Seit einem Jahr hat der deutsche Konzern neben Zürich, Genf und Lugano auch ein Standbein in St. Moritz. Das Geschäft sei sehr gut angelaufen, sagt Marco Bizzozero. Es handle sich ausschließlich um versteuertes Geld.