Mitte Januar geriet erstmals ein Edeka-Händler ins Visier der Staatsanwaltschaft. Gegen ihn hatte die Gewerkschaft ver.di einen Strafantrag gestellt. Eigentlich hat Edeka ein gutes Image als Arbeitgeber. In diesem Fall aber sollen Mitarbeiter auf zweifelhafte Weise überwacht worden sein. Außerdem wird untersucht, ob womöglich noch Geld an den Sozialkassen vorbeigeschleust wurde. Kaufmann Peter Simmel, er zählt zu den größten der 4500 selbstständigen Unternehmer in der Gruppe, hat das alles stets bestritten. Die von ihm selbst beauftragten Prüfer hätten ihn entlastet, ließ er zu Beginn des Jahres wissen. Kurz darauf verlor er seinen Posten als Aufsichtsratschef der Edeka AG. Und die Ermittlungen laufen noch.

Edekas Discounter Netto ist ebenfalls dabei, seinen Ruf zu verspielen. Wie in vielen anderen Fällen auch, trauen sich Mitarbeiter zwar nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen, doch in Internetforen klagen viele anonym über unerträglichen Druck. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Berichte, dass ein zu geringer Lohn sowie unbezahlte Überstunden zum Alltag gehörten. Eine Sprecherin des Unternehmens bestreitet das. Ein Mitarbeiter wagte es zu Beginn des Jahres allerdings, vor Gericht zu ziehen. Er war als sogenannte Pauschalkraft bei Netto beschäftigt und fordert eine Lohnnachzahlung. Das Verfahren läuft noch. Textilhändler KiK hat einen solchen Prozess schon hinter sich. Ende März vergangenen Jahres wurde das Unternehmen wegen der Zahlung sittenwidriger Löhne verurteilt.

Schlechter Umgang mit Angestellten ist hierzulande nicht nur ein Fall für Gewerkschaften und Staatsanwälte, sondern auch für Datenschützer. Neuerdings ermittelt die Behörde in Niedersachsen gegen die Drogeriekette Ihr Platz, die zu Schlecker gehört. Ein Kunde hatte sich über die vielen Kameras in einer Filiale gewundert – und die Behörde alarmiert. Nun wird untersucht, ob der massive Einsatz der Geräte gesetzeswidrig erfolgte. In Baden-Württemberg sahen sich die Datenschützer gezwungen, gegen die Drogeriekette Müller vorzugehen. Dort hatte man massenhaft Krankheitsdaten von Mitarbeitern gespeichert. Deswegen wurde der Konzern mit einem Bußgeld in Höhe von 137.500 Euro bestraft.

Billiganbieter Lidl zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Er schafft es immer wieder, sein schlechtes Image aufzufrischen. Seitdem die Gewerkschaft ver.di vor gut drei Jahren das Schwarzbuch über die Arbeitsverhältnisse im Konzern mit dem Titel Billig auf Kosten der Beschäftigten veröffentlicht hat, wurden laufend neue Skandale bekannt: Überwachung an den Kassen mit versteckten Kameras; Protokolle darüber, wann Mitarbeiterinnen zur Toilette gehen; penible Buchführung über Krankheiten der Mitarbeiter. Insgesamt musste Lidl 1,5 Millionen Euro Bußgeld wegen Bespitzelung seiner Beschäftigten zahlen.

Und was ist mit Aldi? Die beiden Unternehmenszentralen Nord und Süd sind sehr sparsam, auch mit ihren Auskünften. Anscheinend fährt man gut mit dieser Strategie. Es herrscht Ruhe rund um die Geschäfte der beiden Aldi-Brüder. Das könnte sich bald ändern. Andreas Hamann, jener Autor, der bereits den Arbeitsalltag bei Lidl in seinem Schwarzbuch enthüllte, ist inzwischen den Arbeitsbedingungen beim Konkurrenten auf der Spur. Trotz schwieriger Recherchebedingungen hat sein Team schon etliche Aussagen und Belege von Mitarbeitern gesammelt. "Allein diese Informationen stellen das Wir-sind-die-Guten-Image von Aldi sehr infrage", sagt Hamann.

Öffentlichkeit mag auch der Inhaber der größten Drogeriekette Deutschlands nicht. Ärger hatte Anton Schlecker zwar immer mal wieder. Aber der hielt sich in Grenzen – bis er die wahren Chancen des flexiblen deutschen Arbeitsmarktes entdeckte. Schlecker kündigte Mitarbeiterinnen im großen Stil, um sie über eine Zeitarbeitsfirma wieder einzustellen – zu bedeutend schlechteren Konditionen. Zwar war schon länger bekannt, dass der eigenwillige Unternehmer ohne Skrupel und rigoros seine Personalkosten drückt. Allerdings holte sich im November vergangenen Jahres die Partei Die Linke mit einer Anfrage noch eine Abfuhr. Damals erklärte die Bundesregierung im Fall Schlecker, sie sei "kein Forschungsinstitut", dessen Aufgabe es sei, solchen Einzelfällen nachzugehen. Im Januar erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen dann aber doch, man wolle die Sache prüfen. Plötzlich meldeten sich Vertreter aller Parteien zu Wort: Man müsse den Missbrauch von Leiharbeit stoppen.

Achim Neumann, der bei ver.di den Fall Schlecker betreut, bleibt skeptisch. Zwar habe das Unternehmen zugesagt, die Kooperation mit der Zeitarbeitsfirma zu beenden. Doch Neumann hegt den Verdacht, dass Anton Schlecker auch weiter "alle Schlupflöcher nutzen wird, die sich ihm bieten". Nur eines findet er positiv: Schlecker-Beschäftigte organisierten sich in Scharen bei ver.di und gründeten weitere Betriebsräte.