Ihre Karriere als Schauspielerin begann 2002, als sie bei einem Casting für Fatih Akins Film entdeckt wurde. Der Regisseur hatte zuvor in ganz Deutschland nach einer Hauptdarstellerin für Gegen die Wand gesucht. In dem Film geht es um einen Deutschtürken, der in der Psychiatrie eine Frau kennenlernt. Zum Schein heiratet er sie, damit sie ihrer traditionellen türkischen Familie entfliehen kann.

Akin war schnell klar, dass er Kekilli wollte und keine andere: "Diese Zerbrechlichkeit, die sie mitbrachte, war ausschlaggebend." Um Kekilli die Arbeit zu erleichtern, benannte er die Hauptfigur um in: Sibel. Sie spielte mit einer Unbedingtheit, die Akin, wie er heute sagt, manchmal Angst machte. "Sie trieb die Identifikation mit der Rolle auf die Spitze." Nachdem sie in Istanbul eine Messerstecherei gedreht hatten, bei der die Figur der Sibel am Bauch, auf Höhe des Blinddarms, schwer verletzt wurde, bekam die echte Sibel am Tag darauf eine Blinddarmentzündung und musste operiert werden.

Als Gegen die Wand 2004 den Goldenen Bären bekam, war das eine Sensation. Erstmals seit 18 Jahren hatte wieder ein deutscher Film gewonnen, zuletzt hatte das Stammheim geschafft. Auf einen Schlag blickte ein ganzes Land auf Kekilli. Dann, zwei Tage nach der Preisverleihung, las sie die Bild -Schlagzeile, die sie bis heute verfolgt. Film-Diva in Wahrheit Porno-Star, titelte die Zeitung und druckte alte Bilder aus Erotikfilmen nach, in denen Kekilli mitgespielt hatte. Ihre Familie hatte davon nichts gewusst.

Der Berlinale-Chef Dieter Kosslick erinnert sich noch sehr genau an diesen Tag. Als er Kekilli zu Hause in Hamburg anrief, wirkte sie verzweifelt. "Ich kann hier nicht raus", sagte sie, "Fernsehteams belagern mein Haus." Ihr Vater sei auf dem Weg von Heilbronn nach Hamburg, Kekilli hatte Angst. Zu ihrem Schutz wurde sie an einem geheimen Ort untergebracht. Dieser Montag, sagte sie einmal, sei der schwerste Tag ihres Lebens gewesen.

In den Wochen danach legte die Boulevardpresse nach und interviewte Familienmitglieder. Ein privater Zwist wurde öffentlich ausgetragen, ohne dass Kekilli das wollte. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung griff sie die Boulevardmedien an: "Die Bild -Zeitung sagt mir zum Beispiel: Wir wollen jetzt an deine Eltern ran. Aber wir können sie in Ruhe lassen, wenn du uns ein Interview gibst. Ich lass mich ganz bestimmt von denen nicht erpressen." Bei der Bambi-Verleihung klagte sie unter Tränen diese "Medienvergewaltigung" an.

Als Gegen die Wand den Goldenen Bären gewann, drehte der Regisseur Anno Saul gerade die Komödie Kebap Connection, in der Kekilli einen Gastauftritt hatte. Das Erste, was Saul im Gespräch über Kekilli sagt, ist: Sie sei sehr verletzlich. "Ich mag Menschen wie sie, die eine gewisse Unwucht in der Seele haben." Nach außen gebe Sibel sich kämpferisch, innen zweifle sie. "Zweifrontenkrieg" nennt Saul das. In dem Wirbel über Kekillis Vergangenheit drohte der Blick auf sie als Künstlerin verlorenzugehen. Doch sie habe, wie Saul sagt, "den Anspruch, dass ihre Filme etwas aussagen sollen. Sie hat sich auch großen Druck gemacht und auf Rollen mit großer Intensität gewartet."

Und jetzt ist so eine Rolle da: die Umay in Die Fremde.