Auch Duisburg verabschiedet sich von der industriellen Vergangenheit und will sich von zeitgenössischer Kunst beflügeln lassen. Ein musealer Dreierbund ist entstanden, in dem das Wilhelm Lehmbruck Museum den Part der klassischen Moderne übernimmt. Vor einigen Jahren gesellte sich das Museum Küppersmühle hinzu, das sich demnächst mit dem Erweiterungsbau der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Augenfang des Innenhafens wandeln will. Schließlich, vor einem Jahr, kam der Neuling hinzu, das Museum DKM der beiden Bauunternehmer und Sammler Dirk Krämer und Klaus Maas, benannt nach ihren Initialen.

Es wäre naheliegend gewesen, das neue Museum am schicken Innenhafen in der Nähe der Küppersmühle zu errichten, um vom Glanz des spektakulären Anbaus profitieren zu können. Zumal die beiden DKM-Direktoren bereits eine Galerie am noblen Innenhafen besaßen. Aber Krämer und Maas entschieden sich anders. Sie ließen ihren Museumsbau in der unwirtlichen Bahnhofsgegend errichten, einem ungemein rüden Standort. Inmitten einer engen Querstraße taucht aus dem winterlichen Grauschleier ein Schild mit den Schriftzügen DKM auf, und man ist nicht wenig überrascht, dass sich das Museum ausgerechnet in einem umgebauten Verwaltungsgebäude befindet.

Im ZEIT-Museumsführer stellen wir Ihnen jede Woche eines der schönsten Museen Deutschlands vor. Um alle bisher veröffentlichten Museumsführer der ZEIT aufzurufen, klicken Sie bitte auf das Bild © Stuart Franklin/​Bongarts/​Getty Images

Kaum im Foyer angekommen, tut sich unvermittelt die Welt der Kunst auf – bestes Design, gediegene Materialien, klare Blickbezüge und lichtes Ambiente. Auch für ein schönes Café mit Leseecke ist gesorgt. Und die ausgestellte Kunst? Die Direktoren Maas und Krämer präsentieren in ihrem Privatmuseum das stolze Ergebnis ihrer vierzigjährigen Sammlertätigkeit. Man stellt sich die beiden als unermüdliche Globetrotter auf der Suche nach exotischen Kunstwerken vor, mit denen sie ihre bereits üppige Sammlung, ausgestellt in fünfzig Räumen, bereichern wollen. Schnell wird deutlich, dass hier zwei Besessene am Werk sind, die nicht kunsthistorisches Interesse treibt, die sich vielmehr von ihren persönlichen Vorlieben leiten lassen. Man sei sich immer einig gewesen, lediglich Kunst zu kaufen, "die sofort unter die Haut geht", erzählt Dirk Krämer. Es sei nicht um große Namen und hohen Marktwert gegangen.

Dennoch gibt es unter den ausgestellten Werken, die weder durch Schrifttafeln noch durch einen Bestandskatalog identifizierbar sind, auch hinlänglich bekannte Namen wie Richard Serra, Richard Long, Norbert Kricke oder auch Ai Weiwei. Dessen 39 farbige Vasen bilden im DKM so etwas wie das Scharnier zwischen zeitgenössischer Avantgarde und einer fernöstlichen Kunsttradition, die fast 5000 Jahre zurückreicht. Ai Weiwei behandelte die nach der Kulturrevolution in Vergessenheit geratenen neolithischen Vasen mit gewöhnlichen Industriefarben. Jetzt stehen sie grell bemalt in Wandvitrinen, und es scheint, als erhielten sie endlich die lange verweigerte Aufmerksamkeit. Ähnliches passiert mit den japanischen Schriftrollen, die Julius Bissier mit seinen kalligrafischen Tuschezeichnungen in ein westöstliches Zwiegespräch verwickelt.

Maas und Krämer schlagen eine Brücke zu fernen Zeiten und Kulturen: Sie konfrontieren Werke untergegangener Kulturen, etwa die großartigen Buddhastatuen aus der synkretistischen Gandhara-Kultur, mit zeitgenössischer Kunst. Erst am Ende des Ausstellungslabyrinths dominiert die Nachkriegsmoderne. Hier findet sich eine fast unscheinbare Serie kleiner Papierarbeiten, die sich dem Sujet der Hände widmet – darunter sensible Zeichnungen des Bildhauers Eduardo Chillida, die mud finger pieces von Richard Long und ein Porträt des sein Gesicht verbergenden Andy Warhol.

Das DKM ist kein Museum, das den Besucher mit pädagogischem Zeigefinger seinen Kunstschätzen zuführt. Nein, in diesem kleinen künstlerischen Kosmos muss jeder seinen eigenen Erkundungspfad einschlagen. Und kehrt mit ganz eigenen Entdeckungen zurück.